Freitag, 29. Mai 2026

29.05.2026
5. Liga (FIN)
FC Lahti/69 - Tuusulan Palloseura 2:1
Kisapuisto Stadion (Lahti)
60 Zuschauer

Der dritte Abend in Folge mit fünfter finnischer Liga - diesmal allerdings in der Kolmonen Etelä Lohko C, um auch noch eine andere Staffel kennenzulernen. Der Weg führte etwa 100 Kilometer nördlich von Helsinki nach Lahti, einen Ort, der eher für Wintersport bekannt ist. Die berühmte Skisprungschanze sieht man schon während der Anreise aus der Eisenbahn heraus und auch vom Kisapuisto Stadion hat man einen guten Blick auf das Wahrzeichen der Stadt. Aber es wird auch Fußball gespielt in der 120.000 Einwohner-Stadt, die damit die achtgrößte des Landes ist.

1996 haben Lahden Reipas und der FC Kuusysi zum FC Lahti fusioniert. Doch inzwischen wurden die beiden Vereine neu gegründet. Lahden Reipas spielt viertklassig und der FC Kuusysi wurde umbennant in FC Lahti/69 oder auch FC Lahti Akatemia. Der Verein dient also als zweite Mannschaft des FC Lahti. Das heutige Spiel gegen TuPS war eigentlich auf dem Nebenplatz angesetzt, doch dort fand es nicht statt. Es wurde im Stadion gespielt. Das sorgte für etwas Nervosität, denn eigentlich wollten wir uns das Stadion aufheben für das Sonntagsspiel von Lahden Reipas.

Doch so geschah es, dass das Kisapuisto Stadion schon am Freitag eine Liga tiefer besucht wurde. Denn hier jetzt nicht hinzugehen, hätte keinen Sinn ergeben. Trotzdem brauchte ich ein paar Minuten, um zu begreifen, in was für eine Stadionperle ich da plötzlich geraten war. Die alte Haupttribüne - ein Traum. Die Gegengerade vor der Kulisse des Historischen Museums - ebenfalls ein Traum. Wenn man dann noch bei herrlichem Wetter die Abendsonne genießen kann und die Tribüne nur mit einer handvoll anderer Besucher und einem Hasen teilen muss, ist die Idylle perfekt.

Direkt neben der Sprungschanze wurde 1981 das neue Stadion in Lahti eröffnet. Bis dahin war das Kisapuisto der größte Fußballplatz der Stadt und somit Austragungsort zahlreicher großer Spiele. Für das olympische Turnier 1952 in Helsinki fanden hier Spiele statt. Und im Europapokal waren Vereine wie Galatasaray im Kisapuisto zu Gast, heutzutage kaum vorstellbar. Tatsächlich ist der alte FC Kuusysi der finnische Verein, der es in der Historie des Landes am weitesten im Europapokal gebracht hat: 1986 bis ins Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister.

Zurück in der Gegenwart gab es heute ein 2:1 für die Heimmannschaft zu bestaunen. Für dieses Spiel musste einmal mehr kein Eintritt bezahlt werden, dafür gab es aber auch keine Verpflegungsmöglichkeiten. Das Stadion, auf das ich mich eigentlich am Sonntag gefreut hatte, war damit schon abgehakt und ich hatte jetzt zwei Tage Zeit, um mir einen neuen Plan für den Sonntag zu überlegen.

Donnerstag, 28. Mai 2026

28.05.2026
5. Liga (FIN)
PPJ/Ruoholahti - Malmin Palloseura 0:0
Jätkäsaaren tekonurmi (Helsinki)
25 Zuschauer

Der heutige Tag wurde gut dafür genutzt, um Helsinki zu Fuß zu erkunden. Ich verzichtete sogar freiwillig auf einen Doppler, der mit Ach und Krach möglich gewesen wäre und schaute mir lieber die Stadt an. Denn wer weiß, wie lange es dauert, bis man mal wieder hier ist. Das Fußballspiel des Tages wurde dann am Abend auf der Halbinsel Jätkäsaari angepfiffen. Das war extrem praktisch, da sich der Sportplatz nur 700 Meter von meiner Unterkunft entfernt befand und somit auf dem Rückweg aus der Innenstadt keine zusätzliche Zeit für den Anreiseweg verloren ging.

Wie schon am Vorabend besuchte ich ein Spiel der Kolmonen Etelä Lohko A, das war also erneut die fünfte Liga - nur mit dem Unterschied, dass diesmal kein Influencer-Verein aktiv war. Somit wurden die 280 Zuschauer längst nicht erreicht - es war nicht einmal ein Zehntel davon vor Ort. Und von den 25 Zuschauern entfielen ja alleine vier auf unsere Reisegruppe. Dementsprechend gab es auch nichts zu essen und ich war froh, die Zeit bis zum Anpfiff noch in einem nepalesischen Restaurant in derselben Straße verbummelt zu haben, um nicht viel zu früh hier zu sein.

Denn auf diesem Kunstrasenplatz gab es recht wenig zu entdecken und auch keinerlei Unterhaltungsprogramm, da es hier weder einen Stadionsprecher, noch Musik, noch ein Kassenhäuschen, noch eine Imbissbude und generell fast überhaupt keine Vereinsverantwortlichen gab. Man lief hier einfach rein und musste dann selbst zusehen, irgendwie die Zeit rumzukriegen. Das Spielfeld war komplett umzäunt und man hatte immerhin die Möglichkeit, entweder auf zwei Steinstufen außen zu stehen oder auf drei Holzstufen innen zu sitzen.

Interessant an der Sportanlage ist, dass sich direkt nebenan eine komplett überdachte Fußballhalle mit einem ausreichend großen Spielfeld befindet, wobei ich keine Ahnung habe, ob der Heimverein PPJ dort auch tatsächlich reguläre Punktspiele absolviert. Es wäre sicherlich zum Zuschauen mal was anderes. Hier und heute musste jedenfalls das Spiel für das Highlight sorgen, doch das gelang überhaupt nicht. Blau-Weiß spielte gegen Schwarz-Gelb und das Duell des Neunten gegen den Zehnten endete ohne nennenswerte Zwischenfälle 0:0.

Nach dem Abpfiff ging dann auch bald die Sonne unter und die Zeit in Helsinki neigte sich schon dem Ende zu. Noch eine Nacht im Hotel und am nächsten Tag sollte es noch weiter in den Norden gehen.
 

Mittwoch, 27. Mai 2026

27.05.2026
5. Liga (FIN)
Grankulla IFK U23 - Gilla FC 1:2
Kauniaisten keskuskenttä (Kauniainen)
280 Zuschauer 

Ganz Europa ächzte unter der ersten großen Hitzewelle dieses Sommers. Die Temperaturen erreichten schon im Mai beständig 30°C - nur ein Land ganz am äußersten Rand des Kontinents hielt sich noch zurück: Finnland. Und dort ging es heute hin. Nach der gelungenen Tour nach Norwegen im Vorjahr traf sich dasselbe Teilnehmer-Quartett in diesem Sommer in Helsinki. Der Flug dorthin war schon interessant: Ich saß am Fenster und blickte stundenlang einfach nur nach draußen und erfreute mich über die sonnenbeschienenen Landschaften.

Über dem finnischen Festland änderte sich das Wetter dann schlagartig. Das Flugzeug taumelte im Wind in Richtung Ziel, wo dicke Regentropfen gegen die Fensterscheiben prasselten. Na toll, wo war ich denn hier gelandet? Kaum hatte ich mich darüber aufgeregt, riss die Wolkendecke auf und auch Finnland wurde eine halbe Stunde später mit Sonnenstrahlen beschenkt. Eine weitere verrückte Wendung, die vor allem eines bedeutete: Dem entspannten Abend im Fußballstadion stand nichts im Wege. Mit dem Zug ging es nach Kauniainen.

Dort fand ein Fünftligaspiel statt, das uns vor allem aufgrund des schönen Stadions mit der wunderbaren Haupttribüne angelockt hatte. Ein Großteil der anderen Zuschauer war aufgrund des Gastvereins vor Ort: Mit Gilla FC gastierte ein Verein, der von Influencern gegründet wurde und mittlerweile der am meisten gefolgte Fußballverein Finnlands in den sozialen Medien ist. Hier spielten prominente Menschen mit, von denen ich natürlich niemanden kannte. Aber natürlich freute ich mich darüber, wie viel hier los war, immerhin war das Heimteam nur eine Zweitvertretung.

Die Erwartungen waren daher im Vorfeld gering, doch dass hier vor fast 300 Zuschauern ein Verpflegungsstand, Maskottchen und sogar ein VIP-Bereich aufgeboten wurden, war dann schon enorm. In jene VIP-Zone schafften wir es dann auch irgendwann und so konnte der Länderpunkt im Liegestuhl eingetütet werden. Das Fußballspiel endete mit 2:1 für den Influencer-Verein, verlief aber weitgehend unspektakulär. Gespannt war ich auf das Geschehen nach dem Abpfiff und auf die Beantwortung der Frage, ob es vielleicht sogar einen Platzsturm geben würde.

Doch die Antwort lautete Nein. Ganz gesittet positionierten sich einige junge Fans am Spielfeldrand und warteten brav auf ihre Idole. Für uns ging es dann wieder zum Bahnhof. Der Weg zum richtigen Gleis führte diesmal über einen fiesen Zaun, dessen Überkletterung uns die Unversehrtheit unserer Hosen kostete. Damit war klar: Die noblen Adressen können wir in den nächsten Tagen nicht ansteuern. Na gut, dann gehen wir halt zum Fußball.

Freitag, 1. Mai 2026

01.05.2026
Kreispokal Groß-Gerau (Finale)
VfR Groß-Gerau - VfB Ginsheim 1:0
Sportpark Königstädter Straße (Nauheim)
700 Zuschauer

Der Feiertag am 1. Mai lag in diesem Jahr ganz praktisch an einem Freitag, sodass er als Auftakt zu einem langen Wochenende diente. Für viele bedeutete das: Kurze Hose an und ab auf den Sportplatz! Im Rhein-Main-Gebiet lud eine Partie besonders zu einem Besuch ein: Das Kreispokalfinale zwischen Groß-Gerau und Ginsheim in Nauheim. Der Sportpark Königstädter Straße wird nämlich im normalen Alltag nicht bespielt, der SV Nauheim kickt seit langer Zeit auf dem Kunstrasenplatz. Dort hatte ich vor sieben Jahren enttäuscht ein Spiel angeschaut.

Nun aber gab es endlich die Möglichkeit, den Hauptplatz zu besuchen. Das dachten sich auch zahlreiche andere Schlachtenbummler, die das Wochenende in der Region verbrachten. Fans vom Hamburger SV (samstags auswärts in Frankfurt) und vom VfL Osnabrück (sonntags auswärts in Wiesbaden) versammelten sich hier in größeren Gruppen. Zusammen mit den ebenfalls zahlreichen Frankfurtern, Darmstädtern, Ginsheimern und Groß-Gerauern war das schon eine wilde Mischung, die sich auf der großen Stehplatz-Tribüne zusammenfand.

Eintritt wurde nicht verlangt oder ich habe es übersehen - jedenfalls ging den Veranstaltern einiges durch die Lappen. Stattdessen musste man einen Zehner ausgeben, wenn man etwas essen oder trinken wollte, um eine Bezahlkarte zu erwerben, die man zwar bei nicht kompletter Nutzung auch wieder zurückgeben konnte, die insgesamt aber viel zu kompliziert war. Ich erlebte mehrere Diskussionen rund ums Wechselgeld. Ansonsten war das aber eine runde Sache mit einem würdigen Rahmen für ein Endspiel. Ich frage mich, warum der SV Nauheim nicht auch hier spielt.

Wenn man den hessischen Amateurfußball in den letzten Jahren verfolgt hat, dann klingt es ein wenig unwirklich, dass der VfR Groß-Gerau mittlerweile höher spielt als der VfB Ginsheim. Während sich Groß-Gerau so langsam in der Verbandsliga etabliert, hat sich Ginsheim, das jahrelang eine feste Größe der Hessenliga war, nach einer rasanten Talfahrt erst in der Gruppenliga wieder gefangen und steht dort nun kurz vor dem Aufstieg. Dennoch war man tatsächlich Außenseiter gegen Groß-Gerau, könnte aber in der nächsten Saison in der Liga aufeinandertreffen.

Relativ unspektakulär gewann der VfR Groß-Gerau dann auch das Finale mit 1:0 und hatte mit einem Elfmeter kurz vor Schluss sogar noch die Chance, auf 2:0 zu erhöhen, doch vergab kläglich. Trotz des pünktlichen Abpfiffs hätte ich nach dem Spiel noch recht lange auf eine Bahn warten müssen und hielt stattdessen mal wieder auf dem Parkplatz Ausschau nach Kennzeichen. Ich positionierte mich zwischen den einzigen beiden Mainzern und hatte direkt beim ersten Glück, der mich mitnahm und mir somit eine Dreiviertelstunde ersparte.