Samstag, 8. November 2025

08.11.2025
3. Liga (D)
SC Verl - Erzgebirge Aue 1:1
Sportclub-Arena (Verl)
2.518 Zuschauer (377 Gäste)

Lange hatte ich mich vor einer Fahrt nach Verl gedrückt, weil der Ort keinen Bahnhof hat und somit von mir als "schwer erreichbar" abgestempelt wurde. Aber neuerdings fahre ich ja auch Linienbus und das ist von Gütersloh aus gar kein Problem. Pünktlich erreichte ich Verl, spazierte durch ein Wohngebiet und schon war ich da. Irgendwie ist das ja auch ganz nett, wenn es Vereine aus kleinen Orten im Profifußball gibt, aber an die Tür zur 2. Liga anklopfen muss Verl jetzt nun auch nicht unbedingt, denn ein Aufstieg würde wohl bedeuten, dass sie nach Paderborn ausweichen müssten.

Aber soweit ist es noch nicht. Heute war erstmal Abstiegskandidat Erzgebirge Aue zu Gast. Ein Pflichtsieg für die ambitionierten Verler. 2.518 Zuschauer wollten das sehen, also fast jeder zehnte Einwohner. Das enge Stadion wirkte damit schon recht gut ausgelastet, aber es hätten noch 2.689 weitere Zuschauer Platz finden können - erstaunlich! Mein Platz war in der 2. Reihe und somit wahnsinnig nah dran am Geschehen. Gästetrainer Jens Härtel tigerte direkt vor mir herum und ich konnte jedes einzelne Wort verstehen, das rund um die Bank gewechselt wurde.

Beide Kurven bemühten sich um gute Stimmung, wobei die Aue-Fans die Oberhand behielten, aber beide Seiten kein Kreativitäts-Feuerwerk zündeten. In Verl ist es nicht nur auf Fernsehbildern, sondern auch in der Realität sehr schwer, die Fanblöcke richtig einzusehen. Ein hoher Zaun, ein dunkles Fangnetz, ein niedriges Dach und schon verschwinden die Kurven ein wenig in der Dunkelheit. Der Stadionsprecher half aus und verkündete, dass sich 377 Zuschauer im Gästeblock befanden. Grundsolide, aber natürlich auch nicht die größte Nummer der 3. Liga.

Der SC Verl war überlegen und erzielte folgerichtig das 1:0. Dabei blieb es aber auch erstmal, denn Aue hat ja Martin Männel im Tor, der alle weiteren Torchancen abwehren konnte. Auf der Gegenseite erzielte Verl dann noch ein kurioses Eigentor, sodass es am Ende tatsächlich 1:1 stand. Aue feierte den Punkt und ich bestieg mit einer lustigen Reisegruppe aus dem Erzgebirge wieder den Bus nach Gütersloh.
 

Donnerstag, 6. November 2025

06.11.2025
Europa Conference League
Mainz 05 - ACF Fiorentina 2:1
Arena (Mainz)
30.300 Zuschauer (700 Gäste)

Zwei Wochen nach dem ersten Heimpiel von Mainz 05 in der Conference League durfte der FSV schon wieder zu Hause antreten. Statt schwerem Sturm gab es diesmal dichten Nebel, doch auch diesmal fanden mehr als 30.000 Zuschauer den Weg in die gut beleuchtete Arena. Die Gastmannschaft kam heute aus Florenz, die im fünften Jahr dieses Wettbewerbs zum vierten Mal teilnahmen, was alleine schon eine beachtliche Leistung ist, immer wieder aufs Neue genau den Tabellenplatz in der Liga einzufahren, der zur Teilnahme berechtigt.

Als zweifacher Finalist und letztjähriger Halbfinalist führt Florenz mit großem Abstand die ewige Tabelle der Conference League an. Auch in diesem Jahr grüßt die Fiorentina wieder von der Tabellenspitze: Zwei Spiele, zwei Siege, 5:0 Tore. Ähnlich gut läuft es auch bei den Mainzern, die mit derselben Punktausbeute und ohne Gegentor voll auf Kurs sind. Wenn doch bloß nicht der Alltag in der Liga wäre, wo sich beide Vereine im Abstiegskampf befinden und kaum noch eine Chance haben, sich über die Liga wieder für das internationale Geschäft zu qualifizieren.

Sportlich ist die Doppelbelastung eine Herausforderung, aber für die Fans sind die Spiele am Donnerstagabend eine willkommene Abwechslung. Die Mainzer Fans hatten diesmal eine Choreographie vorbereitet, die den Schriftzug "Forza FSV" über Gegengerade und Heimkurve abbildete. Die Gäste waren mit etwa 700 Anhängern unterwegs, was zwar nicht an Mostar herankam und auch den Block nicht komplett füllte, aber dennoch eine gute Zahl ist, wenn man die Umstände bedenkt: Knapp 1.000 Kilometer, schlechte sportliche Leistungen und die vierte Teilnahme in Folge.

Von Euphorie konnte bei den Gästefans also keine Rede sein. Zwar führte man in der ersten Halbzeit mit 1:0, aber der Block spulte routiniert sein Programm ab, anstatt komplett auszurasten. In der zweiten Halbzeit gelang Hollerbach der Ausgleich und es wurde ein völlig offenes Spiel. Beide Mannschaften spielten auf den Sieg und Mainz gelang in der 90.+5. Minute der vielumjubelte Siegtreffer durch Jae-Sung Lee. Das Heimpublikum tobte vor Freude, denn neun Punkte aus drei Spielen bedeuteten schon das ziemlich sichere Überwintern in Europa.

Die Gästefans waren entsprechend bedient. Nun klappte auch im Lieblingswettbewerb nichts mehr. Die Mannschaft musste sich einiges anhören, da musste der ganze Frust der vergangenen Wochen raus. Dennoch stehen natürlich auch für Florenz die Chancen auf ein Weiterkommen sehr gut. Auf Mainz warten jetzt erstmal zwei Auswärtsspiele in Craiova und Posen, ehe ich am letzten Spieltag wieder dabei sein darf.

Sonntag, 26. Oktober 2025

26.10.2025
7. Liga (D)
SV Böblingen - TSVgg Plattenhardt 7:0
Stadion an der Stuttgarter Straße (Böblingen)
100 Zuschauer

Gut, dass das Spiel der KSV-Frauen in Herrenberg bereits um 13 Uhr angepfiffen wurde, denn somit war ein Doppler kein Problem. Sowohl das Stadion in Herrenberg, als auch die Sportanlage in Böblingen liegen in der Nähe eines Bahnhofs, somit ging es nach dem ersten Spiel des Tages mit der S-Bahn ein paar Stationen in Richtung Norden. Der Zug war gut gefüllt mit Fans, die zum Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Mainz 05 wollten. Ich war froh, als ich aussteigen konnte. Da waren Typen dabei, die nicht mal wussten, gegen wen der VfB überhaupt spielt.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich nicht ausschließen kann, dass auch beim Böblinger Fußballpublikum nicht jeder Bescheid wusste, gegen welche andere Landesliga-Truppe heute gegen den Ball getreten wird. Und die TSVgg Plattenhardt tat auch nicht gerade viel dafür, in Erinnerung zu bleiben. Ohne erkennbaren Anhang angereist ließ man sich hier abschlachten, was die Tabellensituation angesichts des Duells zweier Mittelfeldmannschaften gar nicht hergegeben hätte. Nach 20 Minuten stand es schon 3:0 durch einen Hattrick des Böblingers Carneiro de Carvalho.

Der SV Böblingen spielte heute wie von einem anderen Stern und gewann schließlich mit 7:0. Das einzig bittere daran: Der Torschütze zum 7:0 verletzte sich bei seinem Tor in der 88. Minute so schwer, dass er nicht mehr aufstehen konnte, der Krankenwagen gerufen werden musste und der Schiedsrichter nach Rücksprache mit den Kapitänen das Spiel nicht mehr anpfiff. Was für eine unnötige Verletzung! Der überpünktliche Abpfiff sorgte dafür, dass ich keine Mühe hatte, die nächste S-Bahn nach Stuttgart zu erwischen und auch die übrige Strecke planmäßig absolvierte.

Das Spektakel auf dem Rasen fand in einem wirklich schönen Stadion statt. Die Haupttribüne ist für einen Siebtligisten schon beeindruckend groß und drumherum hat man ausreichend Fläche, um das Areal zu erkunden und sich einen schönen Platz zu sichern. Die Getränke werden aus der Sprecherkabine heraus verkauft, die Würste eine Etage weiter unten versteckt unter der Treppe, wobei man sich aber die Wertmarken für die Würste oben an der Sprecherkabine holen muss. Wer denkt sich so ein System aus? Naja, Hauptsache es schmeckt.
 

26.10.2025
[Frauen] 3. Liga (D)
VfL Herrenberg - Hessen Kassel 2:1
Stadion an der Schießmauer (Herrenberg)
80 Zuschauer (2 Gäste)

Dank der Zeitumstellung hatte der heutige Sonntag 25 Stunden. Das passte mir perfekt, da ich in aller Ruhe ausschlafen konnte und trotzdem problemlos ein 13 Uhr-Spiel ansteuern konnte. Dieses Spiel war nicht nur irgendeine Partie, sondern mein erstes Spiel mit der Frauenmannschaft vom KSV. Es hatte sich einfach perfekt angeboten, nach dem Auswärtskick der KSV-Herrenmannschaft bei der TSG Balingen am nächsten Tag die 43 Kilometer nach Herrenberg zurückzulegen, wo die Löwinnen zu Gast waren und man im Normalfall eher nicht vorbeikommt.

Den ersten Teil der Strecke legte ich mit einem Linienbus durch das herbstliche Württemberg zurück, ehe es mit der Bahn von Oberndorf nach Herrenberg ging. Das Stadion an der Schießmauer ist eines der attraktivsten Stadien der Regionalliga Süd. Für 6 Euro erhielt ich eine Eintrittskarte, mit der ich auch noch das anschließende Spiel der Herrenberger Herren hätte sehen können. Schon zum Frauenspiel hatten sich einige Besucher eingefunden und auch der Stadionsprecher war schon motiviert. Es wurden Zaunfahnen aufgehangen und der Imbiss hieß die Besucher willkommen. 

Und dann kam sogar noch ein weiterer Gästefan ins weite Rund. Die Anreise war auch bei ihm recht kurz und zu zweit zogen wir die Blicke nun ein wenig auf uns. Das vierköpfige Trainer- und Betreuerteam des KSV kam geschlossen zu uns und auch die ewige Lisa Lattermann, die kürzlich für ihr 300. KSV-Spiel geehrt wurde, ließ es sich nicht nehmen, mit uns das 1:1 am Vortag in Balingen nochmal durchzudiskutieren und uns ein schönes Spiel zu wünschen. Der Stadionsprecher heizte auch nochmal ordentlich ein und schon war die Vorfreude recht groß.

Nach nur einer gespielten Minute durften wir auch schon jubeln. Freya Burk erzielte das 0:1, aber leider sah es nur kurz nach einem klaren Auswärtssieg aus. Herrenberg fing sich und glich vor der Pause aus. Das Unentschieden war auch mittlerweile verdient, doch mit etwas Glück gelang den Gastgeberinnen sogar der 2:1-Siegtreffer. Beide Mannschaften stehen nun punktgleich im unteren Tabellenmittelfeld. Bei leichtem Regen verließ ich zeitnah die Sportanlage, denn am späteren Nachmittag wartete ein weiteres Fußballspiel auf mich.

Samstag, 25. Oktober 2025

25.10.2025
4. Liga (D)
TSG Balingen - Hessen Kassel 1:1
Au-Stadion (Balingen)
552 Zuschauer (50 Gäste)

Eine der weitesten Auswärtsfahrten der Saison stand für unseren KSV auf dem Programm. Ich hatte mit einem Zeitpuffer von zweieinhalb Stunden am Spielort geplant und verlor schon am Start die erste Stunde, weil mein IC in NRW feststeckte. Die nächste Stunde verlor ich auf der Strecke, sodass ich in Stuttgart nicht nur einen Regionalzug, sondern gleich zwei verpasste. Natürlich hatte es auch die Regionalbahn nicht eilig. In aller Ruhe fuhren wir über die Dörfer, ließen anderen Zügen den Vorrang, sammelten Wandergruppen ein und kamen um 13:45 Uhr in Balingen an.

Noch 15 Minuten bis zum Anpfiff. Ich hatte meinen prallgefüllten Rucksack fürs Wochenende dabei und wollte eigentlich noch vor dem Spiel im Hotel einchecken. Also rannte ich wie ein Irrer aus dem Zug und entdeckte ein einziges Taxi auf dem Bahnhofsvorplatz. Der Fahrer legte gemütlich seine Zeitung beiseite und ließ sich auf einen Deal ein, der mich erst zum Hotel und dann zum Stadion bringen sollte. Am Hotel angekommen waren es noch acht Minuten bis zum Anpfiff. Dummerweise hatte die Rezeption geschlossen und ich sollte eine Telefonnummer anrufen.

Am anderen Ende der Leitung hörte ich viel zu leise eine zarte Stimme, die mir einen PIN-Code durchzugeben versuchte. Sie wurde jedoch übertönt von einer Stimme direkt hinter mir. Da grinste mich plötzlich ein bekanntes KSV-Gesicht an, das ebenfalls viel zu spät dran war, weil noch vor dem Hotel ein E-Auto geladen werden musste. Kurzerhand wurde umdisponiert. Ich schrie ins Telefon, dass ich doch nicht einchecken möchte, ließ meinen neuen Begleiter im Taxi Platz nehmen und er besorgte mir eine Akkreditierung fürs Stadion. Vielen Dank, das war großartig!

Zwei Minuten vor dem Anpfiff erreichten wir den Haupteingang. Ich bekam problemlos meine Karte und konnte mein ganzes Gepäck mitnehmen. Jetzt musste ich nur noch innerhalb des Stadions zum Gästeblock spazieren, wo mir unmittelbar vor dem Einlauf der Mannschaften das Zugangstor aufgesperrt wurde. Junge, was für ein Timing! Im Gästeblock traf ich dann sogar noch einen Leser. Viele Grüße auch an der Stelle! Dass dann 90 Minuten lang mäßiger Fußball in einem durchschnittlichen Stadion vor überschaubarer Kulisse gespielt wurde, nahm ich zur Kenntnis, aber die Geschichte des Tages war da schon geschrieben.

Donnerstag, 23. Oktober 2025

23.10.2025
Europa Conference League
Mainz 05 - Zrinjski Mostar 1:0
Arena (Mainz)
30.200 Zuschauer (3.500 Gäste)


Nach neun Jahren Wartezeit hat sich Mainz 05 mal wieder für den Europapokal qualifiziert. Die bisherigen Ausflüge über den Kontinent waren in der Mainzer Vergangenheit nun nicht gerade Erfolgsgeschichten - umso größer war die Sehnsucht, diesmal vielleicht sogar im internationalen Wettbewerb zu überwintern, was sportlich absolut machbar erschien. Denn in der Zwischenzeit war mit der Conference League ein neuer Wettbewerb eingeführt worden, der das Träumen aufgrund der überschaubaren sportlichen Qualität der Teilnehmer durchaus erlaubte.

So ähnlich galt das auch für die Gäste von Zrinjski Mostar, die ihr Glück kaum fassen konnten, in einer europäischen Gruppenphase zu stehen. Die Auswärtsfahrt nach Mainz war ein absolutes Highlight der Vereinsgeschichte. Mainz 05 hatte ein attraktives Europa-Ticket angeboten, bei dem ich ohne Zögern zuschlug. Das bedeutete, dass ich alle drei Heimspiele der Gruppenphase vom selben Platz sehen durfte. Vielleicht war ich schon ein bisschen zu nah dran am Gästeblock, aber die europäischen Gästefans waren schon der Hauptgrund für meine Besuche.

Am Nachmittag hatte ich friedlich in meiner Wohnung gesessen und im Hinterhof einen Zaun beim Umfallen beobachtet. Es wütete ein heftiger Sturm, der dann auch dafür sorgte, dass die Mainzer Choreo abgesagt wurde. Schade! Und dennoch war die Europapokalstimmung schon weit vor Anpfiff spürbar. Der Mainzer Fanmarsch ging direkt an meiner Haustür vorbei und die Gäste aus Bosnien-Herzegowina, die aber die kroatische Identität in Mostar repräsentieren, trafen sich nur wenige Kilometer entfernt. In großer Vorfreude bewegten sich die Massen zum Stadion.

Dort wurde es auch vor Anpfiff schon so laut, wie ich es in Mainz bisher noch nicht erlebt hatte. Das Fußballspiel sorgte dann allerdings dafür, dass sich alles wieder auf das übliche Maß einpendelte. Mainz 05 war klar überlegen, profitierte von einer Überzahl nach einem frühen Platzverweis der Gäste und verwaltete über den Großteil des Spiels ein 1:0, ohne dass man irgendwie die Möglichkeit sah, dass hier noch was passierte. Aber nachdem man schon das erste Spiel bei Omonia Nikosia mit 1:0 gewonnen hatte, sieht das mit dem Überwintern diesmal gar nicht schlecht aus.

Der Auftritt der Gästefans war geprägt von der Freude, einfach dabei zu sein. Sentimentale Spruchbänder, Pyro-Einsatz und nach dem Spiel ein Abschiedsfoto mit der Mannschaft trotz Niederlage. Schwer zu sagen, wie viele Fans extra aus Mostar angereist waren. Als ich Zrinjski mal in Sarajevo gesehen habe, waren sie mit 100 Leuten vor Ort. Diesmal hatten sich also vermutlich einige Sympathisanten aus Deutschland in den Block gemischt, der aber erfreulich textsicher war. Die besten Momente hatten sie Mitte der zweiten Halbzeit, als eine Mischung aus Hymne und Schlachtruf ausgepackt wurde und sich die Lautstärke mit jeder Wiederholung noch steigerte. Die Fans wurden immer emotionaler und sangen sich in einen Rausch. Man blickte in jede Menge glücklicher und stolzer Gesichter. Mainz und Mostar auf der europäischen Bühne - ein Hoch auf die Conference League!

Mittwoch, 15. Oktober 2025

15.10.2025
Niederrheinpokal - Achtelfinale (D)
KFC Uerdingen - MSV Duisburg 1:3
Grotenburg-Stadion (Krefeld)
9.341 Zuschauer (6.000 Gäste)



800 Polizisten, 2 Wasserwerfer und jede Menge Chaos waren für das Derby im Niederrheinpokal zwischen dem KFC Uerdingen und dem MSV Duisburg angekündigt. Doch als ich am Krefelder Bahnhof ankam, ließ erstmal nichts auf eine Großveranstaltung schließen. Gemütlich fuhr ich mit der Straßenbahn zum Stadion, reihte mich in die Warteschlange ein und am Eingang angekommen, wurde mein Ticket nicht etwa gescannt, sondern einfach durchgerissen. Eine Kontrolle fand überhaupt nicht statt, Menschen stießen mit Glasflaschen an - Willkommen in Uerdingen!

Man kann wirklich nicht davon sprechen, dass die Stimmung besonders aufgeheizt war. Dazu war das Duell mit dem übermächtigen MSV auch einfach zu ungleich. Die Duisburger spielen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mit und Uerdingen ist von all den Jahren voller Skandale und Finanzlücken arg gebeutelt und verbringt seinen Alltag in der Oberliga Niederrhein. Das Grotenburg-Stadion ist aber nun endlich fertig saniert und zum Glück sieht es hier im Großen und Ganzen noch so aus wie vorher. Ein tolles Fußballstadion mit viel Historie! 

Zum Mythos Grotenburg gehört eigentlich auch der Grotifant, doch Deutschlands berühmtestes Maskottchen scheint sich tatsächlich komplett zur Ruhe gesetzt zu haben und hat auch bei Highlight-Spielen keine Auftritte mehr. Schade! Das Fußballspiel begann und die Zebras übernahmen die Kontrolle. Nach 19 Minuten stand es schon 0:2 und das Spiel war praktisch schon entschieden. Das ist natürlich das, was man sich im Sinne der Spannung nicht wünscht. Um mich herum bekamen viele das Spielgeschehen aber gar nicht so richtig mit. 

Ich war umringt von Groundhoppern, die andere Dinge im Kopf hatten: Vor mir wurde minutenlang ein Bier in die Luft gehalten, um das perfekte Foto mit Flutlichtmast im Hintergrund zu schießen, rechts neben mir wurden Anekdoten aus Belgrad und Katowice zum Besten gegeben und links wurde nur Englisch gesprochen. Ich war selten so genervt von anderen Stadionsammlern wie an diesem Abend. In der 37. Minute fiel das Flutlicht aus. Ich hatte sofort Angst vor einem Spielabbruch, weil ich bei weniger als 45 Minuten das Stadion nicht hätte zählen dürfen.

Die Leute in meiner Nähe, die sich wahrscheinlich schon um 9 Uhr morgens in der App zum Spiel eingeloggt hatten, kümmerte das alles gar nicht. Die MSV-Fans gegenüber hatten auch ihren Spaß: "Und schon wieder keine Kohle, KFC!", schallte es durch die Grotenburg. Der Schiedsrichter ordnete eine frühe Halbzeitpause an und zu meiner Erleichterung ging nach einer Weile das Licht wieder an. Es wurden noch acht Minuten gespielt und dann gab es ohne weitere Pause einen Seitenwechsel. Unspektakulär zog am Ende Duisburg mit einem 3:1 in die nächste Runde ein und genauso souverän verhielten sich die MSV-Fans an diesem Abend. Trotz der Fanmasse riss man heute keine Bäume aus, aber hatte dennoch klar die Stimmungshoheit und sorgte für einige schöne Momente. Nach dem Spiel begann meine Odyssee nach Hause: Mit der Straßenbahn nach Düsseldorf, dem ICE nach Frankfurt und der S-Bahn nach Rüsselsheim, wo aufgrund einer Baustelle Schienenersatzverkehr angekündigt war. Mittlerweile war es 2 Uhr nachts und der Bus war nicht auffindbar. Mit einer anderen verlorenen Gestalt ging es dann im Taxi über den Rhein und um 2:40 Uhr konnte ich endlich die Wohnungstür aufschließen.

Sonntag, 12. Oktober 2025

12.10.2025
5. Liga (D)
Rot-Weiß Walldorf - VfB Marburg 1:0
Rot-Weiss-Sportgelände (Mörfelden-Walldorf)
180 Zuschauer (15 Gäste)

Dieses Wochenende war einfach nicht mein Wochenende. Schon wieder stand ich morgens auf und wusste gar nicht so recht, wo ich hinfahren sollte. Ich war planlos und zu spät dran. Nachdem ich am Vortag die Pleite mit dem Kunstrasen erlebt hatte, ging meine Tendenz dahin, an diesem Wochenende keinen Wert auf Qualität zu legen, sondern einfach stumpf irgendwo das nächste Kreuz zu setzen. Die Wahl fiel auf Walldorf, wo ich schonmal auf dem Nebenplatz war, bevor das neue Stadion gebaut wurde. Für mich also kein Abenteuer, sondern ein altbekannter Weg.

Aber da Walldorf immerhin in der Hessenliga spielt, die man ja irgendwann auch mal komplettieren könnte, musste ich nochmal diesen Ort bereisen, um den neuen Sportplatz zu sehen. In Walldorf hat man in den letzten Jahren ordentlich in seine Sportanlage investiert und hat dort nun drei Kunstrasenplätze nebeneinander errichtet, auf denen jeweils schon Hessenliga-Spiele stattfanden. Direkt daneben befinden sich drei weitere Sportplätze, die der SKG Walldorf gehören und allesamt Naturrasenplätze sind. Es gibt also noch einiges zu besuchen in Walldorf.

Tatsächlich gefällt mir die neue Haupttribüne ganz gut und die gesamte Anlage erfüllt nun Oberliga-Standards. Zwischenzeitlich hatte Walldorf in den letzten Jahren immer mal wieder auch an die Regionalliga-Tür geklopft, aber dafür müssten die Bagger nochmal anrollen. Rot-Weiß Walldorf hat im gehobenen Amateurfußball eine gewisse Tradition, spielte Ende der 1980er bis Mitte der 90er Jahre in der Hessenliga, die bis zur Einführung der Regionalliga 1994 drittklassig war. Am 15.08.1992 traf man im Auestadion auf Hessen Kassel, was mein allererstes besuchtes Spiel war.

Der Verein hat mit Niklas Süle, Kevin Pezzoni und Carsten Nulle bekannte Spieler hervorgebracht und hatte mit DDR-Legende Jürgen Sparwasser auch einen prominenten Trainer, der allerdings beim sportlichen Niedergang des Vereins von 1994 bis 1996 auf der Trainerbank saß und danach seine Trainerkarriere beendete. Die Gegenwart ist weniger spektakulär: Am heutigen Sonntag stand ein Mittelfeld-Duell gegen den VfB Marburg auf dem Programm, das Rot-Weiß verdient, aber spät, mit 1:0 gewann.
 

Samstag, 11. Oktober 2025

11.10.2025
7. Liga (D)
SV Schwetzingen - SpVgg Ketsch 2:1
Städtisches Stadion, KR (Schwetzingen)
150 Zuschauer (50 Gäste)

Der ursprüngliche Plan für den heutigen Samstag musste spontan umgeworfen werden und ich war plötzlich auf der Suche nach einem Spiel, das in zwei Stunden Fahrzeit erreichbar war. Meine Wahl fiel auf Schwetzingen, denn hier fand heute ein Derby statt. Der SV Schwetzingen empfing die SpVgg Ketsch, deren Sportplatz nur 1.800 Meter entfernt am Ortseingang der Nachbargemeinde liegt. Beide Vereine spielen in der Landesliga Rhein-Neckar um den Klassenerhalt, wobei Schwetzingen in der vergangenen Woche die rote Laterne abgeben konnte.

So reizvoll die Konstellation klang, umso enttäuschender war dann das, was ich vor Ort vorfand: Zunächst kam ich ein paar Minuten zu spät, weil die Bahn es nicht so eilig hatte. Am Stadion angekommen folgte dann der Schock, weil nicht auf dem Rasenplatz gespielt wurde, obwohl drei Quellen genau dies behauptet hatten. Und auf dem Kunstrasen herrschte nun nicht gerade Derbystimmung. In der 13. Minute fiel das 0:1 und in der 14. Minute direkt postwendend der Ausgleich. Das war ganz praktisch, um zu beobachten, wie die Kräfteverhältnisse auf den Rängen verteilt sind.

Da beide Vereine die Farben blau und weiß haben, war es nämlich gar nicht so einfach, sofort anhand der Fanschals die Zugehörigkeit zu erkennen. Bezeichnend war dann jedoch, dass es Zuschauer gab, die in der Halbzeitpause dachten, es würde 0:1 stehen, weil sie den Torjubel zum 1:1 nicht mitbekommen hatten. Und tatsächlich war es so, dass dieser Torjubel unfassbar leise war. Die Leute mit Fanschal gehörten vornehmlich zur SpVgg Ketsch. Das war schon eine ziemlich dünne Nummer für ein Derbyheimspiel vonseiten der Schwetzinger.

Im zweiten Durchgang konnte der Gastgeber den 2:1-Siegtreffer erzielen und zumindest ein bisschen was war nun los auf dem Kunstrasenplatz. Da man von der Rückseite der Tribüne des Rasenplatzes immerhin einen ganz guten Überblick über den Sportplatz hatte, schloss ich auch meinen Frieden mit dem Kunstrasen. Trotzdem muss ich natürlich nochmal irgendwann wiederkommen, um auch den Rasenplatz zu kreuzen, was umso schwieriger ist, weil man sich offensichtlich nicht auf seriöse Quellen verlassen kann, wo hier nun gespielt wird.

 

Samstag, 20. September 2025

20.09.2025
6. Liga (D)
Basara Mainz - SG Hüffelsheim 7:2
BZA Hechtsheim, KR2
200 Zuschauer (50 Gäste)

Seit Sommer 2024 gibt es einen neuen Kunstrasenplatz in Mainz. Auf der Bezirkssportanlage in Hechtsheim befindet sich seitdem neben dem Hauptspielfeld ein weiteres Großspielfeld. Die gesamte Anlage wird nun von der TSG Hechtsheim, dem 1.FC Willy Wacker und Basara Mainz bespielt. Damit ist auf diesen einst sehr trostlosen Sportplatz jede Menge neues Leben eingekehrt, auch wenn Hechtsheim selbst nur noch in der B-Klasse spielt. Das sportliche Aushängeschild ist nun der Verbandsligist Basara, der von der Albert-Schweitzer-Straße hierher gewechselt ist.

Nachdem der japanische Verein Basara in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung jedes Jahr aufgestiegen ist, hat man sich nun seit mehreren Jahren in der Verbandsliga etabliert und die sportliche Grenze offenbar erreicht. Drumherum entwickelt sich der Verein jedoch noch immer weiter. Dass hier inzwischen die Picknickdecke ausgebreitet wird und ganze Familien im Basara-Trikot am Spielfeldrand stehen, hätte ich nicht erwartet. Der Verein ist für viele Japaner in der Region zu einer Anlaufstelle am Samstagnachmittag geworden.

Da darf ein gutes kulinarisches Angebot nicht fehlen. Auf großen Schildern wird "Japanisch Garküchen" beworben. Man hat eine Auswahl von japanischem Curry mit Hühnerfleisch, Garnelen oder Kartoffelpüree über Tako-yaki bis hin zu Pommes mit Algen. Blöd nur, wenn dann am Imbissstand kaum Deutsch oder Englisch gesprochen wird und man nur mit größter Mühe herausfindet, dass es heute wohl ein Problem mit dem Strom gab und daher nur ein einziges Standardgericht angeboten wurde. Mit meiner Schale Reis zog ich wieder von dannen.

Das Fußballspiel war heute sehr einseitig. Basara war in Torlaune und nachdem man früh mit 0:1 hinten lag, drehte man innerhalb weniger Minuten das Spiel gegen Hüffelsheim und lag schon nach 23 Minuten mit 3:1 vorne. Am Ende wurde es ein launiges 7:2 und es stellte sich die Frage, ob man nicht doch mal an die Tür zur Oberliga anklopft. TuS Koblenz hier zu sehen hätte auch ein gewisses Spaß-Potential.