Mittwoch, 15. Oktober 2025

15.10.2025
Niederrheinpokal - Achtelfinale (D)
KFC Uerdingen - MSV Duisburg 1:3
Grotenburg-Stadion (Krefeld)
9.341 Zuschauer (6.000 Gäste)



800 Polizisten, 2 Wasserwerfer und jede Menge Chaos waren für das Derby im Niederrheinpokal zwischen dem KFC Uerdingen und dem MSV Duisburg angekündigt. Doch als ich am Krefelder Bahnhof ankam, ließ erstmal nichts auf eine Großveranstaltung schließen. Gemütlich fuhr ich mit der Straßenbahn zum Stadion, reihte mich in die Warteschlange ein und am Eingang angekommen, wurde mein Ticket nicht etwa gescannt, sondern einfach durchgerissen. Eine Kontrolle fand überhaupt nicht statt, Menschen stießen mit Glasflaschen an - Willkommen in Uerdingen!
Man kann wirklich nicht davon sprechen, dass die Stimmung besonders aufgeheizt war. Dazu war das Duell mit dem übermächtigen MSV auch einfach zu ungleich. Die Duisburger spielen um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mit und Uerdingen ist von all den Jahren voller Skandale und Finanzlücken arg gebeutelt und verbringt seinen Alltag in der Oberliga Niederrhein. Das Grotenburg-Stadion ist aber nun endlich fertig saniert und zum Glück sieht es hier im Großen und Ganzen noch so aus wie vorher. Ein tolles Fußballstadion mit viel Historie! 
Zum Mythos Grotenburg gehört eigentlich auch der Grotifant, doch Deutschlands berühmtestes Maskottchen scheint sich tatsächlich komplett zur Ruhe gesetzt zu haben und hat auch bei Highlight-Spielen keine Auftritte mehr. Schade! Das Fußballspiel begann und die Zebras übernahmen die Kontrolle. Nach 19 Minuten stand es schon 0:2 und das Spiel war praktisch schon entschieden. Das ist natürlich das, was man sich im Sinne der Spannung nicht wünscht. Um mich herum bekamen viele das Spielgeschehen aber gar nicht so richtig mit. 
Ich war umringt von Groundhoppern, die andere Dinge im Kopf hatten: Vor mir wurde minutenlang ein Bier in die Luft gehalten, um das perfekte Foto mit Flutlichtmast im Hintergrund zu schießen, rechts neben mir wurden Anekdoten aus Belgrad und Katowice zum Besten gegeben und links wurde nur Englisch gesprochen. Ich war selten so genervt von anderen Stadionsammlern wie an diesem Abend. In der 37. Minute fiel das Flutlicht aus. Ich hatte sofort Angst vor einem Spielabbruch, weil ich bei weniger als 45 Minuten das Stadion nicht hätte zählen dürfen.
Die Leute in meiner Nähe, die sich wahrscheinlich schon um 9 Uhr morgens in der App zum Spiel eingeloggt hatten, kümmerte das alles gar nicht. Die MSV-Fans gegenüber hatten auch ihren Spaß: "Und schon wieder keine Kohle, KFC!", schallte es durch die Grotenburg. Der Schiedsrichter ordnete eine frühe Halbzeitpause an und zu meiner Erleichterung ging nach einer Weile das Licht wieder an. Es wurden noch acht Minuten gespielt und dann gab es ohne weitere Pause einen Seitenwechsel. Unspektakulär zog am Ende Duisburg mit einem 3:1 in die nächste Runde ein und genauso souverän verhielten sich die MSV-Fans an diesem Abend. Trotz der Fanmasse riss man heute keine Bäume aus, aber hatte dennoch klar die Stimmungshoheit und sorgte für einige schöne Momente. Nach dem Spiel begann meine Odyssee nach Hause: Mit der Straßenbahn nach Düsseldorf, dem ICE nach Frankfurt und der S-Bahn nach Rüsselsheim, wo aufgrund einer Baustelle Schienenersatzverkehr angekündigt war. Mittlerweile war es 2 Uhr nachts und der Bus war nicht auffindbar. Mit einer anderen verlorenen Gestalt ging es dann im Taxi über den Rhein und um 2:40 Uhr konnte ich endlich die Wohnungstür aufschließen.

Sonntag, 12. Oktober 2025

12.10.2025
5. Liga (D)
Rot-Weiß Walldorf - VfB Marburg 1:0
Rot-Weiss-Sportgelände (Mörfelden-Walldorf)
180 Zuschauer (15 Gäste)

Dieses Wochenende war einfach nicht mein Wochenende. Schon wieder stand ich morgens auf und wusste gar nicht so recht, wo ich hinfahren sollte. Ich war planlos und zu spät dran. Nachdem ich am Vortag die Pleite mit dem Kunstrasen erlebt hatte, ging meine Tendenz dahin, an diesem Wochenende keinen Wert auf Qualität zu legen, sondern einfach stumpf irgendwo das nächste Kreuz zu setzen. Die Wahl fiel auf Walldorf, wo ich schonmal auf dem Nebenplatz war, bevor das neue Stadion gebaut wurde. Für mich also kein Abenteuer, sondern ein altbekannter Weg.

Aber da Walldorf immerhin in der Hessenliga spielt, die man ja irgendwann auch mal komplettieren könnte, musste ich nochmal diesen Ort bereisen, um den neuen Sportplatz zu sehen. In Walldorf hat man in den letzten Jahren ordentlich in seine Sportanlage investiert und hat dort nun drei Kunstrasenplätze nebeneinander errichtet, auf denen jeweils schon Hessenliga-Spiele stattfanden. Direkt daneben befinden sich drei weitere Sportplätze, die der SKG Walldorf gehören und allesamt Naturrasenplätze sind. Es gibt also noch einiges zu besuchen in Walldorf.

Tatsächlich gefällt mir die neue Haupttribüne ganz gut und die gesamte Anlage erfüllt nun Oberliga-Standards. Zwischenzeitlich hatte Walldorf in den letzten Jahren immer mal wieder auch an die Regionalliga-Tür geklopft, aber dafür müssten die Bagger nochmal anrollen. Rot-Weiß Walldorf hat im gehobenen Amateurfußball eine gewisse Tradition, spielte Ende der 1980er bis Mitte der 90er Jahre in der Hessenliga, die bis zur Einführung der Regionalliga 1994 drittklassig war. Am 15.08.1992 traf man im Auestadion auf Hessen Kassel, was mein allererstes besuchtes Spiel war.

Der Verein hat mit Niklas Süle, Kevin Pezzoni und Carsten Nulle bekannte Spieler hervorgebracht und hatte mit DDR-Legende Jürgen Sparwasser auch einen prominenten Trainer, der allerdings beim sportlichen Niedergang des Vereins von 1994 bis 1996 auf der Trainerbank saß und danach seine Trainerkarriere beendete. Die Gegenwart ist weniger spektakulär: Am heutigen Sonntag stand ein Mittelfeld-Duell gegen den VfB Marburg auf dem Programm, das Rot-Weiß verdient, aber spät, mit 1:0 gewann.
 

Samstag, 11. Oktober 2025

11.10.2025
7. Liga (D)
SV Schwetzingen - SpVgg Ketsch 2:1
Städtisches Stadion, KR (Schwetzingen)
150 Zuschauer (50 Gäste)

Der ursprüngliche Plan für den heutigen Samstag musste spontan umgeworfen werden und ich war plötzlich auf der Suche nach einem Spiel, das in zwei Stunden Fahrzeit erreichbar war. Meine Wahl fiel auf Schwetzingen, denn hier fand heute ein Derby statt. Der SV Schwetzingen empfing die SpVgg Ketsch, deren Sportplatz nur 1.800 Meter entfernt am Ortseingang der Nachbargemeinde liegt. Beide Vereine spielen in der Landesliga Rhein-Neckar um den Klassenerhalt, wobei Schwetzingen in der vergangenen Woche die rote Laterne abgeben konnte.

So reizvoll die Konstellation klang, umso enttäuschender war dann das, was ich vor Ort vorfand: Zunächst kam ich ein paar Minuten zu spät, weil die Bahn es nicht so eilig hatte. Am Stadion angekommen folgte dann der Schock, weil nicht auf dem Rasenplatz gespielt wurde, obwohl drei Quellen genau dies behauptet hatten. Und auf dem Kunstrasen herrschte nun nicht gerade Derbystimmung. In der 13. Minute fiel das 0:1 und in der 14. Minute direkt postwendend der Ausgleich. Das war ganz praktisch, um zu beobachten, wie die Kräfteverhältnisse auf den Rängen verteilt sind.

Da beide Vereine die Farben blau und weiß haben, war es nämlich gar nicht so einfach, sofort anhand der Fanschals die Zugehörigkeit zu erkennen. Bezeichnend war dann jedoch, dass es Zuschauer gab, die in der Halbzeitpause dachten, es würde 0:1 stehen, weil sie den Torjubel zum 1:1 nicht mitbekommen hatten. Und tatsächlich war es so, dass dieser Torjubel unfassbar leise war. Die Leute mit Fanschal gehörten vornehmlich zur SpVgg Ketsch. Das war schon eine ziemlich dünne Nummer für ein Derbyheimspiel vonseiten der Schwetzinger.

Im zweiten Durchgang konnte der Gastgeber den 2:1-Siegtreffer erzielen und zumindest ein bisschen was war nun los auf dem Kunstrasenplatz. Da man von der Rückseite der Tribüne des Rasenplatzes immerhin einen ganz guten Überblick über den Sportplatz hatte, schloss ich auch meinen Frieden mit dem Kunstrasen. Trotzdem muss ich natürlich nochmal irgendwann wiederkommen, um auch den Rasenplatz zu kreuzen, was umso schwieriger ist, weil man sich offensichtlich nicht auf seriöse Quellen verlassen kann, wo hier nun gespielt wird.

 

Samstag, 20. September 2025

20.09.2025
6. Liga (D)
Basara Mainz - SG Hüffelsheim 7:2
BZA Hechtsheim, KR2
200 Zuschauer (50 Gäste)

Seit Sommer 2024 gibt es einen neuen Kunstrasenplatz in Mainz. Auf der Bezirkssportanlage in Hechtsheim befindet sich seitdem neben dem Hauptspielfeld ein weiteres Großspielfeld. Die gesamte Anlage wird nun von der TSG Hechtsheim, dem 1.FC Willy Wacker und Basara Mainz bespielt. Damit ist auf diesen einst sehr trostlosen Sportplatz jede Menge neues Leben eingekehrt, auch wenn Hechtsheim selbst nur noch in der B-Klasse spielt. Das sportliche Aushängeschild ist nun der Verbandsligist Basara, der von der Albert-Schweitzer-Straße hierher gewechselt ist.

Nachdem der japanische Verein Basara in den ersten Jahren nach der Vereinsgründung jedes Jahr aufgestiegen ist, hat man sich nun seit mehreren Jahren in der Verbandsliga etabliert und die sportliche Grenze offenbar erreicht. Drumherum entwickelt sich der Verein jedoch noch immer weiter. Dass hier inzwischen die Picknickdecke ausgebreitet wird und ganze Familien im Basara-Trikot am Spielfeldrand stehen, hätte ich nicht erwartet. Der Verein ist für viele Japaner in der Region zu einer Anlaufstelle am Samstagnachmittag geworden.

Da darf ein gutes kulinarisches Angebot nicht fehlen. Auf großen Schildern wird "Japanisch Garküchen" beworben. Man hat eine Auswahl von japanischem Curry mit Hühnerfleisch, Garnelen oder Kartoffelpüree über Tako-yaki bis hin zu Pommes mit Algen. Blöd nur, wenn dann am Imbissstand kaum Deutsch oder Englisch gesprochen wird und man nur mit größter Mühe herausfindet, dass es heute wohl ein Problem mit dem Strom gab und daher nur ein einziges Standardgericht angeboten wurde. Mit meiner Schale Reis zog ich wieder von dannen.

Das Fußballspiel war heute sehr einseitig. Basara war in Torlaune und nachdem man früh mit 0:1 hinten lag, drehte man innerhalb weniger Minuten das Spiel gegen Hüffelsheim und lag schon nach 23 Minuten mit 3:1 vorne. Am Ende wurde es ein launiges 7:2 und es stellte sich die Frage, ob man nicht doch mal an die Tür zur Oberliga anklopft. TuS Koblenz hier zu sehen hätte auch ein gewisses Spaß-Potential.

 

Samstag, 13. September 2025

13.09.2025
4. Liga (D)
Schott Mainz - Hessen Kassel 1:2
BZA Mombach, KR1 (Mainz)
500 Zuschauer (120 Gäste)

An diesem Samstag hatte ich einen Arbeitstag vor mir. Um 5:20 Uhr klingelte der Wecker und wenig später begann auch schon die Schicht. Da der KSV heute nur vier Kilometer entfernt von meiner Arbeitsstätte im Stadtteil Mombach antreten sollte, hatte ich eine besondere Motivation, pünktlich fertig zu werden und so schloss ich um 13 Uhr auch schon wieder ab. Schnell nach Hause, umziehen, und ab in die Straßenbahn. Eine Viertelstunde vor Anpfiff erreichte ich die Bezirkssportanlage und hatte noch Zeit für eine Rindswurst am Stadion-Imbiss. Dann ging es los - was für ein Timing!

Unter der Woche hatte es nur ein Gesprächsthema gegeben: Vorjahres-Goalgetter Dahlke war in die portugiesische 3. Liga zu SU 1° Dezembro gewechselt und hatte damit für jede Menge Verwunderung gesorgt. Diesen Verein hatte ich mal im Sintra-Derby gesehen, er spielt aber mittlerweile im Stadion von Real SC und ist Teil einer ziemlich attraktiven Liga, in der auch meine Freunde aus Mafra, der viermalige Landesmeister Belenenses und der Kultverein Atlético spielen. Außerdem wird Dahlke in Coimbra im EM-Stadion von 2004 auflaufen.

Zografakis nach Athen, Hadzic nach Bukarest, Dahlke nach Lissabon - unsere Vorjahres-Offensive genießt das Leben, während wir auf dem Kunstrasenplatz von Schott Mainz stehen. Wie bitter schon wieder hier zu sein. Bei jedem Abstieg dieses Vereins hofft man, dass er mal ein paar Ehrenrunden in der Oberliga dreht, aber so sang- und klanglos wie Schott jedes Mal absteigt, so souverän kommen sie auch jedes zweite Jahr wieder zurück. Immerhin am Stadion wird immer ein bisschen weiter gebastelt. Nach den Sitzschalen gibt es nun sogar ein richtiges Dach.

Nach zuletzt nur zwei Punkten aus vier Spielen war unsere Mannschaft wie gelähmt und ließ sich von Ex-Spieler Takero Itoi früh ein Gegentor einschenken. Mit Ach und Krach konnten die Löwen das Spiel aber drehen und den kleinen Negativ-Lauf stoppen. Ein Spiel zum Abhaken ohne weitere Vorkommnisse, aber die drei Punkte waren schon sehr wichtig. Für Schott Mainz sieht es nach nur sieben Spieltagen schon wieder nach Abstieg aus.

Sonntag, 31. August 2025

31.08.2025
2. Liga (P)
Sporting CP B - FC Paços de Ferreira 3:0
Estádio Aurélio Pereira (Alcochete)
433 Zuschauer (25 Gäste)


Ohne eigenes Auto unterwegs zu sein, verbaut mir manchmal die Möglichkeit zu einem Doppler oder macht die Anreise etwas kompliziert. Aber grundsätzlich kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Europa schon ziemlich weit. Die Akademie von Sporting ist jedoch eine ganz besondere Herausforderung, der ich jahrelang ausgewichen bin. Wer kam auf die Idee, den wichtigsten Ort für den Sporting-Nachwuchs 37 Kilometer entfernt vom Estádio Alvalade auf der anderen Flussseite in einen Wald zu platzieren, der von der Zivilisation abgeschnitten ist?

Die Kombination aus Fähre und Fußweg entspricht einem Tagesausflug. Beim heutigen Kick zwischen Sportings zweiter Mannschaft und Paços de Ferreira war allerdings schon um 11 Uhr Anstoß. Keine Chance - ich bestellte mir ein Taxi und ließ mich gemütlich von Haustür zu Stadiontor fahren. Dort angekommen wollte ich mir ein Ticket kaufen, aber auch das war hier kompliziert. Einlass gab es nur für Mitglieder von Sporting. Die Dame an der Kasse blickte mich voller Mitleid an, hatte aber eine Lösung parat und schenkte mir einfach die Eintrittskarte.

Nur eine Tribüne, eingeschränkter Einlass, keine Bifana, schlechter Rasen, furchtbare Erreichbarkeit - es spricht einiges gegen dieses Stadion und dennoch hat es bei Google mehr Sterne als das Estádio Alvalade. Die Leute lieben es scheinbar, hier in der Akademie die Stars von morgen zu sehen. Einer von den jungen Hoffnungsträgern stand lässig auf der Haupttribüne herum und verbrachte die 90 Minuten damit, sich von Fans fotografieren zu lassen, die sich nach und nach zu ihm trauten und ihm eine goldene Zukunft im Sporting-Dress wünschten. 

433 Zuschauer auf den Rängen, von denen viele Angehörige und Freunde der Spieler waren, schauten in Ruhe das Spiel, das wie ein Jugendspiel daher kam, aber in Wirklichkeit eine Partie der 2. portugiesischen Liga war, in der Zweitvertretungen mitspielen dürfen. Stimmung kam keine auf und auch situationsbedingt ergaben sich nur bei den drei Toren kurze Momente, in denen es etwas lauter wurde. Sporting B hatte das Spiel im Griff und siegte unspektakulär mit 3:0 über Paços de Ferreira. Ich sonnte mich und ließ das Spiel an mir vorbeiziehen.

Direkt nach dem Abpfiff positionierte ich mich am Durchgang zum Parkplatz. Nachdem es am Vortag in Rio Maior so gut funktioniert hatte, wollte ich es wieder probieren, Zuschauer nach einer Mitfahrgelegenheit zu fragen. Nach etwa fünf Versuchen hatte ich dann wieder bei einer Familie Glück. Sie brachten mich in ihrem Porsche auf die Überholspur und in kurzer Zeit über die Ponte Vasco da Gama zum Campo Grande, von wo aus ich in die Lissabonner Innenstadt laufen konnte.

Samstag, 30. August 2025

30.08.2025
1. Liga (P)
Casa Pia AC - CD Nacional 0:2
Estádio Municipal de Rio Maior (Rio Maior)
1.351 Zuschauer (90 Gäste) 

Als ich vor zwölf Jahren den Drittligist Casa Pia AC im Estádio Pina Manique besuchte, war ich in einem echten portugiesischen Amateurfußball-Idyll gelandet: Ein schönes kleines Stadion mit einer Tribüne voller Rentner und daneben ein kultiges Restaurant und viel Wiese für Autofahrer, die das Spiel aus ihren Fahrzeugen beobachteten und beim Tor hupten. Ein Verein, der in höheren Ligen nicht denkbar wäre. Genau das ist aber inzwischen passiert: Casa Pia spielt mittlerweile die vierte Saison in Folge erstklassig und muss dafür seitdem in andere Stadien ausweichen.

Nach einem Gastspiel im Nationalstadion spielt Casa Pia nun in Rio Maior. Die 12.000 Einwohner-Stadt liegt 84 Kilometer vom Estádio Pina Manique entfernt im Niemandsland. Immerhin gibt es direkte Busverbindungen von Lissabon, davon allerdings nicht besonders viele. Für mich kam nur ein Bus am Morgen infrage, mit dem ich viel zu früh in Rio Maior ankam. Der Stadtrundgang war schon recht trostlos, aber immerhin fand ich ein sympatisches Restaurant, in dem Middlesbrough gegen Sheffield United gezeigt wurde, was will man mehr? 

Am Stadion angekommen, wurde mir an der Kasse ein Ticket geschenkt. Man versucht mit allen Mitteln, das Stadion zu füllen und ich nahm dankend an. Entspannt suchte ich mir einen Platz auf der Gegengerade und wartete auf den Anpfiff. Eine Heimkurve im klassischen Sinn gab es nicht, aber unregelmäßig gab es auf der Haupttribüne einige Casa Pia-Rufe. Etwas koordinierter lief es im Gästeblock ab, aber auch die Fans aus Funchal von der Insel Madeira verzichteten auf durchgängige akustische Unterstützung. Immer mal wieder gab es ein paar gute Momente.

Grundsätzlich gefällt mir das weitläufige Stadion wirklich gut, dennoch ist es schon sehr surreal, hier ein Erstligaspiel zwischen Casa Pia und Nacional zu sehen, bei dem sich das durch Freikarten angelockte Umland-Publikum durch den Nachmittag gähnte. Das Spiel blieb bis auf zwei Auswärtstore ohne Highlights. Casa Pia wehrte sich kaum gegen die Gäste, die nur das Nötigste auf den Platz brachten. Ein langweiliges Spiel - am Ende 0:2. Ich hatte genug Zeit, mir Gedanken zu machen, wie ich von hier wieder wegkommen könnte. Der einzige Bus fuhr erst am Abend.

So lange wollte ich nicht in Rio Maior verbringen. Also fragte ich Zuschauer, ob sie nach dem Spiel zurück nach Lissabon fahren würden - da kommt Casa Pia schließlich her. Hierbei erfuhr ich dann, dass wirklich die meisten Leute aus der direkten Umgebung kamen - zumindest erzählten sie das. Nach dem Spiel blieb mir dann noch die Chance, Fans von der Haupttribüne abzufangen. Und nach einer Weile hatte ich Glück: Ein Familienvater mit Frau, Kindern und Casa Pia-Tätowierung lud mich ein, mit nach Oeiras zu fahren. Auf der Fahrt erzählte mir der Mann begeistert die Vereinsgeschichte und dass seine komplette Familie nun Mitglied sei. Und er hatte sogar Hoffnung, dass Casa Pia durch einige Umbaumaßnahmen im kommenden Jahr wieder im Estádio Pina Manique spielen könnte. Der Mann redete sich in einen Rausch und freute sich einfach darüber, dass ich gerne zuhörte. Ein Typ aus Deutschland, der schon vor zwölf Jahren bei Casa Pia war, damit hatte er nicht gerechnet. Am Ende der Fahrt bat er mich noch zum Kofferraum und überreichte mir glücklich ein T-Shirt als Geschenk. Schön zu sehen, wie die Leute für ihre Vereine brennen. Danke für diese Gastfreundschaft! Von Oeiras aus erreichte ich die Hauptstadt schnell mit dem Zug.

Mittwoch, 27. August 2025

27.08.2025
Champions League - Play-off
SL Benfica - Fenerbahce SK 1:0
Estádio da Luz (Lissabon)
64.323 Zuschauer (800 Gäste)

Nach sieben Jahren kehrte ich endlich wieder einmal nach Lissabon zurück. Fünf volle Tage verbrachte ich hier und brachte es dabei laut meiner App auf 149.805 Schritte zu Fuß. Auf meiner Nostalgie-Tour durch die Straßen der portugiesischen Hauptstadt spielte der Fußball nur eine untergeordnete Rolle. Aber dass hier das Play-off-Rückspiel zur Champions League stattfand, das bekam ich dann schon mit. Nach einem 0:0 im Hinspiel sollte Benfica mittwochabends Fenerbahce aus Istanbul empfangen, die mit Trainer José Mourinho und voller Hoffnung angereist waren.

Das Spiel war natürlich restlos ausverkauft, einen freien Ticketverkauf hatte es nie gegeben. Ich war bisher sechs Mal im Estádio da Luz und musste es daher nicht um jeden Preis an diesem Abend ins Stadion schaffen. Kein Problem, wenn es nicht klappen sollte. Also fuhr ich auch nicht acht Stunden vor dem Anpfiff zum Stadion, sondern lediglich eine. Ganz gemütlich ging ich zum geöffneten Ticketschalter und fragte nach einer Karte. Sofort bekam ich ein Ticket für 95 € direkt hinter Mourinho und seiner Bank angeboten.

Nach kurzer Diskussion stellte sich heraus, dass es auch noch eine Karte für 70 € gab. Das war zwar immer noch viel zu teuer, aber wenn die Alternative 95 € kostet, kommt einem das plötzlich wie ein Schnäppchen vor. Und wenn man neben sich Zehntausende voller Vorfreude zum Stadion pilgern sieht, dann geht man auch nicht zurück. Man will nicht der einzige sein, der dieses Spiel nicht sieht. Also prüfte ich rund ums Stadion noch andere Optionen und als sich keine auftat, schlug ich zu. Der Platz gefiel mir dann auch besser als der hinter Mourinho.

Mit einer Bifana in der Hand genoss ich die Abendstimmung und nahm die steigende Nervosität der Benfica-Anhänger zur Kenntnis. Die waren alle im Tunnel. Auf dem Rasen lief es aber gleich gut für die Rot-Weißen. Ein Tor wurde zwar vom Videoschiedsrichter zurückgenommen, aber das nächste zählte. Die Stimmung war längst nicht durchgehend großartig, aber punktuell, wenn das ganze Stadion mit einstieg, war es immer wieder extrem laut. Plötzlich hüpften locker 50.000 Menschen und rasteten aus und dann war es wieder fünf Minuten recht ruhig.

Fenerbahce blieb ziemlich blass. Das galt auf dem Rasen, aber auch auf den Rängen. Die Anzahl der mitgereisten Fans war völlig in Ordnung, aber sie waren von meinem Standort kaum zu hören, obwohl Benfica seine Pausen einlegte. In der 2. Halbzeit ließ Benfica nichts anbrennen. Ein 1:0 glanzlos über die Bühne bringen, das können sie wirklich immer gut. Schade für den neutralen Zuschauer - mehr Spektakel wäre möglich gewesen! Doch somit scheiterte Fenerbahce an der Champions League Qualifikation und Mourinho war zwei Tage später seinen Job los.

Montag, 25. August 2025

25.08.2025
1. Liga (E)
FC Sevilla - FC Getafe 1:2
Estadio Ramon Sanchez Pizjuan (Sevilla)
36.697 Zuschauer (105 Gäste)

Das Wochenende war vorbei, doch Fußball gespielt wurde trotzdem. Am Montagabend um 21:30 Uhr wurde in der 1. Liga angestoßen. Eine furchtbare Terminierung für alle Fans, aber gut für mich, denn diese Partie passte perfekt in den Plan. Mittags erreichte ich Sevilla, hatte noch stundenlang Zeit, um die Stadt zu erkunden und abends ging es dann wieder ins Stadion. Mittlerweile den vierten Abend in Folge, man könnte sich dran gewöhnen. Und der Vergleich zu Malaga am Vorabend bot sich an: Wieder wählte ich einen Platz hinter dem Tor und gegenüber der Heimkurve. 

In Sevilla war alles ein bisschen größer, wichtiger, lauter - und teurer als in Malaga. Für 48 Euro ging es heute ins Stadion. Damit war das Spiel teurer als mein 2 Sterne-Hotel in der Altstadt - was für ein merkwürdiges Ungleichgewicht! Der 48-Euro-Sitzplatz war der günstigste, den ich aber tatsächlich gar nicht schlecht fand. Wenn man im Oberrang sitzt, hat man auch hinter dem Tor einen sehr guten Überblick und kann beide Fankurven sehen. Da gibt es andere Plätze auf den Geraden, die noch teurer sind, die ich aber nicht haben wollen würde. 

Die Heimfans protestierten mit einer Fahne gegen Spiele unter der Woche. Am selben Abend fand noch ein weiteres Montagsspiel in Bilbao statt und weil das nicht genug ist, gab es auch noch ein Mittwochsspiel. Leider ist die Fußballkultur in Spanien wirklich in einem bedauernswerten Zustand. Der Blick in den Gästeblock sprach dann auch Bände: Handgezählte 105 Getafe-Fans saßen schweigend im Block, rasteten aber nach den Toren und nach dem Abpfiff jeweils richtig aus. Ansonsten hätten sie gegen die Heimkurve keine Chance gehabt und das sahen sie selbst wohl auch so.

Der FC Sevilla hatte sein erstes Saisonspiel verloren und stand unter Druck, um nicht den Start in die neue Spielzeit zu verpatzen. Genau das passierte aber. Man hatte den Ball, aber wusste nichts damit anzufangen, spielte Fehlpässe, verlor Zweikämpfe und plötzlich stand es 0:1. Ein Eigentor brachte in der 45. Minute den Ausgleich und verhinderte ein gellendes Pfeifkonzert der unzufriedenen Zuschauer schon zur Pause. Als nach dem Seitenwechsel jedoch direkt das 1:2 fiel, konnten viele nicht mehr an sich halten und ließen ihren Emotionen freien Lauf.

Sevilla fiel einfach nichts ein und so endete das Spiel mit einem Auswärtssieg für Getafe. Schon vor dem Abpfiff hatten viele Zuschauer das Stadion verlassen. Diese spanische Gewohnheit des Zuspätkommens und Zufrühgehens ist angesichts der Preise auch ein Wahnsinn. Die Gäste feierten noch ausgiebig den Auswärtssieg, aber es war fast niemand mehr da, der es hörte. Ich verließ dann auch irgendwann das Stadion und drehte noch ein paar Runden durch das nächtliche Sevilla. Es war schön, aber für dieses Jahr auch erstmal genug Spanien.