Samstag, 30. August 2025

30.08.2025
1. Liga (P)
Casa Pia AC - CD Nacional 0:2
Estádio Municipal de Rio Maior (Rio Maior)
1.351 Zuschauer (90 Gäste) 

Als ich vor zwölf Jahren den Drittligist Casa Pia AC im Estádio Pina Manique besuchte, war ich in einem echten portugiesischen Amateurfußball-Idyll gelandet: Ein schönes kleines Stadion mit einer Tribüne voller Rentner und daneben ein kultiges Restaurant und viel Wiese für Autofahrer, die das Spiel aus ihren Fahrzeugen beobachteten und beim Tor hupten. Ein Verein, der in höheren Ligen nicht denkbar wäre. Genau das ist aber inzwischen passiert: Casa Pia spielt mittlerweile die vierte Saison in Folge erstklassig und muss dafür seitdem in andere Stadien ausweichen.

Nach einem Gastspiel im Nationalstadion spielt Casa Pia nun in Rio Maior. Die 12.000 Einwohner-Stadt liegt 84 Kilometer vom Estádio Pina Manique entfernt im Niemandsland. Immerhin gibt es direkte Busverbindungen von Lissabon, davon allerdings nicht besonders viele. Für mich kam nur ein Bus am Morgen infrage, mit dem ich viel zu früh in Rio Maior ankam. Der Stadtrundgang war schon recht trostlos, aber immerhin fand ich ein sympatisches Restaurant, in dem Middlesbrough gegen Sheffield United gezeigt wurde, was will man mehr? 

Am Stadion angekommen, wurde mir an der Kasse ein Ticket geschenkt. Man versucht mit allen Mitteln, das Stadion zu füllen und ich nahm dankend an. Entspannt suchte ich mir einen Platz auf der Gegengerade und wartete auf den Anpfiff. Eine Heimkurve im klassischen Sinn gab es nicht, aber unregelmäßig gab es auf der Haupttribüne einige Casa Pia-Rufe. Etwas koordinierter lief es im Gästeblock ab, aber auch die Fans aus Funchal von der Insel Madeira verzichteten auf durchgängige akustische Unterstützung. Immer mal wieder gab es ein paar gute Momente.

Grundsätzlich gefällt mir das weitläufige Stadion wirklich gut, dennoch ist es schon sehr surreal, hier ein Erstligaspiel zwischen Casa Pia und Nacional zu sehen, bei dem sich das durch Freikarten angelockte Umland-Publikum durch den Nachmittag gähnte. Das Spiel blieb bis auf zwei Auswärtstore ohne Highlights. Casa Pia wehrte sich kaum gegen die Gäste, die nur das Nötigste auf den Platz brachten. Ein langweiliges Spiel - am Ende 0:2. Ich hatte genug Zeit, mir Gedanken zu machen, wie ich von hier wieder wegkommen könnte. Der einzige Bus fuhr erst am Abend.

So lange wollte ich nicht in Rio Maior verbringen. Also fragte ich Zuschauer, ob sie nach dem Spiel zurück nach Lissabon fahren würden - da kommt Casa Pia schließlich her. Hierbei erfuhr ich dann, dass wirklich die meisten Leute aus der direkten Umgebung kamen - zumindest erzählten sie das. Nach dem Spiel blieb mir dann noch die Chance, Fans von der Haupttribüne abzufangen. Und nach einer Weile hatte ich Glück: Ein Familienvater mit Frau, Kindern und Casa Pia-Tätowierung lud mich ein, mit nach Oeiras zu fahren. Auf der Fahrt erzählte mir der Mann begeistert die Vereinsgeschichte und dass seine komplette Familie nun Mitglied sei. Und er hatte sogar Hoffnung, dass Casa Pia durch einige Umbaumaßnahmen im kommenden Jahr wieder im Estádio Pina Manique spielen könnte. Der Mann redete sich in einen Rausch und freute sich einfach darüber, dass ich gerne zuhörte. Ein Typ aus Deutschland, der schon vor zwölf Jahren bei Casa Pia war, damit hatte er nicht gerechnet. Am Ende der Fahrt bat er mich noch zum Kofferraum und überreichte mir glücklich ein T-Shirt als Geschenk. Schön zu sehen, wie die Leute für ihre Vereine brennen. Danke für diese Gastfreundschaft! Von Oeiras aus erreichte ich die Hauptstadt schnell mit dem Zug.

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