Sonntag, 18. Januar 2026

18.01.2026
1. Liga (B)
KAA Gent - RSC Anderlecht 4:2
Arteveldestadion (Gent)
15.708 Zuschauer (1.500 Gäste)

Heute fühlte es sich zum ersten Mal in diesem Jahr nach Frühling an. Ich fuhr mit der Bahn nach Gent und frühstückte auf dem Markt. Dann ging es zu Fuß etwa eine Stunde lang zum Stadion in den Süden der Stadt. Im November 2012 hatte ich im Jahr vor dem Abriss noch das alte Jules Ottenstadion gesehen, nun ist die neue Arena immerhin schon im 13. Jahr. Natürlich liegt sie am Stadtrand in der Nähe der Autobahn, aber was mir hier gut gefällt: Man hat ausreichend Platz im und um das Stadion herum und kann auch problemlos auf die gegenüberliegende Tribüne laufen.

Die Freiheit machte ich mir zunutze, um Sonne zu tanken. Ein freier Sonnenplatz war direkt neben dem Gästeblock, sodass ich Zeuge von jeder Menge Spektakel neben dem Platz wurde. Zwischen Gent und Anderlecht herrschte nämlich eine ziemlich stumpfe Pöbelkultur. Es gab außerhalb des Stadions schon eine ordentliche Polizeipräsenz und zum ersten Mal an diesem Wochenende wurde ich am Eingang abgetastet. Innen wurden dann Bierbecher ausgetauscht und zwei Bengel, denen vor lauter Gestikulieren sowieso bald die Arme abgefallen wären, flogen aus dem Stadion.

Das Spiel begann rasant mit dem 0:1 nach vier Minuten. Anderlecht hatte die Partie weitgehend im Griff und legte nach dem Ausgleich wieder nach und stellte zur Pause auf 1:2. Nach dem Seitenwechsel verflachte das Spiel und man konnte sich schon fast auf einen Auswärtssieg einstellen. Doch dann folgten die verrückten zehn Minuten von Gent: 2:2 in der 81. Minute, Anderlecht völlig von der Rolle, 3:2 in der 84. Minute und in der Nachspielzeit sogar das 4:2. Das Stadion kochte und wurde mit dem Schlusspfiff zur großen Party-Location.

Ein bisschen schade, dass es erst solche Spielverläufe braucht, damit es in Belgien mal richtig laut wird, andererseits müssen solche Momente völliger Ekstase auch rar bleiben, damit sie etwas besonderes sind. Immerhin hatte ich Glück: Vier Erstligaspiele an diesem Wochenende gesehen und in drei davon wurde das Ergebnis gedreht. Dazu eine akzeptable Stadionvielfalt und gutes Wetter. Was will man in Belgien im Januar mehr erwarten? Zufrieden verließ ich das Stadion und freute mich auf den sonnigen Rückweg zum Bahnhof.

Beim Umstieg in Brüssel sammelte ich meinen Rucksack wieder ein und hatte noch eine Stunde Zeit, um mir Proviant für die Bahnfahrt zu besorgen. Das eskalierte ein wenig und so kam ich völlig vollgefressen am späten Abend zu Hause an.

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