23.10.2025
Europa Conference League
Mainz 05 - Zrinjski Mostar 1:0
Arena (Mainz)
30.200 Zuschauer (3.500 Gäste)
Nach neun Jahren Wartezeit hat sich Mainz 05 mal wieder für den Europapokal qualifiziert. Die bisherigen Ausflüge über den Kontinent waren in der Mainzer Vergangenheit nun nicht gerade Erfolgsgeschichten - umso größer war die Sehnsucht, diesmal vielleicht sogar im internationalen Wettbewerb zu überwintern, was sportlich absolut machbar erschien. Denn in der Zwischenzeit war mit der Conference League ein neuer Wettbewerb eingeführt worden, der das Träumen aufgrund der überschaubaren sportlichen Qualität der Teilnehmer durchaus erlaubte.
So ähnlich galt das auch für die Gäste von Zrinjski Mostar, die ihr Glück kaum fassen konnten, in einer europäischen Gruppenphase zu stehen. Die Auswärtsfahrt nach Mainz war ein absolutes Highlight der Vereinsgeschichte. Mainz 05 hatte ein attraktives Europa-Ticket angeboten, bei dem ich ohne Zögern zuschlug. Das bedeutete, dass ich alle drei Heimspiele der Gruppenphase vom selben Platz sehen durfte. Vielleicht war ich schon ein bisschen zu nah dran am Gästeblock, aber die europäischen Gästefans waren schon der Hauptgrund für meine Besuche.
Am Nachmittag hatte ich friedlich in meiner Wohnung gesessen und im Hinterhof einen Zaun beim Umfallen beobachtet. Es wütete ein heftiger Sturm, der dann auch dafür sorgte, dass die Mainzer Choreo abgesagt wurde. Schade! Und dennoch war die Europapokalstimmung schon weit vor Anpfiff spürbar. Der Mainzer Fanmarsch ging direkt an meiner Haustür vorbei und die Gäste aus Bosnien-Herzegowina, die aber die kroatische Identität in Mostar repräsentieren, trafen sich nur wenige Kilometer entfernt. In großer Vorfreude bewegten sich die Massen zum Stadion.
Dort wurde es auch vor Anpfiff schon so laut, wie ich es in Mainz bisher noch nicht erlebt hatte. Das Fußballspiel sorgte dann allerdings dafür, dass sich alles wieder auf das übliche Maß einpendelte. Mainz 05 war klar überlegen, profitierte von einer Überzahl nach einem frühen Platzverweis der Gäste und verwaltete über den Großteil des Spiels ein 1:0, ohne dass man irgendwie die Möglichkeit sah, dass hier noch was passierte. Aber nachdem man schon das erste Spiel bei Omonia Nikosia mit 1:0 gewonnen hatte, sieht das mit dem Überwintern diesmal gar nicht schlecht aus.
Der Auftritt der Gästefans war geprägt von der Freude, einfach dabei zu sein. Sentimentale Spruchbänder, Pyro-Einsatz und nach dem Spiel ein Abschiedsfoto mit der Mannschaft trotz Niederlage. Schwer zu sagen, wie viele Fans extra aus Mostar angereist waren. Als ich Zrinjski mal in Sarajevo gesehen habe, waren sie mit 100 Leuten vor Ort. Diesmal hatten sich also vermutlich einige Sympathisanten aus Deutschland in den Block gemischt, der aber erfreulich textsicher war. Die besten Momente hatten sie Mitte der zweiten Halbzeit, als eine Mischung aus Hymne und Schlachtruf ausgepackt wurde und sich die Lautstärke mit jeder Wiederholung noch steigerte. Die Fans wurden immer emotionaler und sangen sich in einen Rausch. Man blickte in jede Menge glücklicher und stolzer Gesichter. Mainz und Mostar auf der europäischen Bühne - ein Hoch auf die Conference League!






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