Freitag, 16. Januar 2026

16.01.2026
1. Liga (B)
Club Brugge - RAAL La Louvière 2:3
Jan Breydelstadion (Brügge)
17.227 Zuschauer (350 Gäste)

Das neue Jahr begann mit einer Bahnfahrt nach Brügge. Pünktlich auf die Minute erreichte ich die Stadt in Westflandern und hatte noch über fünf Stunden bis zum Anpfiff. Herrlich, endlich mal wirklich viel Zeit, um sich eine Stadt anzusehen. Über das Kopfsteinpflaster ging es zwischen den Kanälen von einem Waffel-Laden zum nächsten. Zum Abendbrot kehrte ich noch in einer Frituur ein, um die Pommes zu testen. Die Verkäuferin fragte mich mehrfach, ob ich nicht noch ein Stück Fleisch haben wolle, aber so langsam drängte die Zeit dann doch.

Zu Fuß machte ich mich auf den Weg in den Südwesten der Stadt, wo das Jan Breydelstadion steht. Es ist das größte Stadion der ersten belgischen Liga und beheimatet mit Club Brugge und Cercle Brugge gleich zwei Erstligisten. Ich hatte davon profitiert, dass eine Gruppe von Club-Anhängern heute eine Karte übrig hatte und so bekam ich auf dem Zweitmarkt ein Ticket für die Haupttribüne und wurde gleich mal in die Gruppe aufgenommen. Mir wurden die schönsten Geschichten aus dem Europapokal erzählt und es wirkte alles sehr familiär.

Im Rest des Stadions kam mir das ähnlich vor. Es fehlte dadurch ein wenig an echter Fußballstimmung. In der Heimkurve beteiligten sich nur etwa 150 Fans an den Gesängen und selbst die legten teilweise minutenlange Pausen ein. Zur Einordnung: Club Brugge war Tabellenzweiter und konnte an diesem Abend vorübergehend die Tabellenspitze übernehmen. Wo war die Euphorie? Vielleicht im Gästeblock: Die Gäste aus La Louvière waren als Aufsteiger tief drin im Abstiegskampf. Doch sie übernahmen hier die Stimmungshoheit, ohne zu glänzen.

Das Spiel begann erwartungsgemäß mit einer Dominanz von Brügge, die nach einer halben Stunde mit 2:0 führten. Immer noch keine große Euphorie im Stadion - das hatte man ja alles so erwarten dürfen. Doch dann gab es plötzlich eine rote Karte für die Gastgeber nach einer Notbremse. Und La Louvière schöpfte Hoffnung. Im zweiten Durchgang gelang ihnen tatsächlich der Anschlusstreffer und sie schafften es, das Spiel wieder offen zu gestalten. In der 81. Minute fiel der Ausgleich und weitere acht Minuten später der Siegtreffer für La Louvière.

Im Gästeblock brachen jetzt alle Dämme. Als totaler Außenseiter auswärts ein 0:2 zu drehen, versetzte die 350 Mitgereisten in komplette Ekstase. Was für ein genialer Start ins Wochenende. Nach dem Spiel schaffte ich es noch, mich ein bisschen in den Wohngebieten rund ums Stadion zu verzetteln und kam später als nötig wieder in der Stadt an, aber das spielte keine Rolle. Es war trocken geblieben und ich feierte einen gelungenen Jahresauftakt.