Freitag, 30. Mai 2025

30.05.2025
4. Liga (N)
Bærum SK - 
Skjervøy IK 10:2
Sandvika Stadion (Sandvika)
120 Zuschauer


Die vierte norwegische Liga ist sechsgleisig. Die Aufteilung dieser sechs Ligen nach geographischen Gesichtspunkten lässt einen erstmal verwundert zurück, wenn man sich die Gruppe anschaut, in der Bærum SK spielt. In den anderen fünf Gruppen scheint es geklappt zu haben, aber in dieser Staffel hat man die zehn nördlichsten Vereine mit den vier südlichen Hauptstadt-Klubs zusammengesteckt, da man ansonsten die gut funktionierenden anderen Gruppen hätte auseinander reißen müssen.

Die Erreichbarkeit der Hauptstadt ist nunmal auch ganz gut. Das führte nun aber dazu, dass Bærum SK zu seinem Heimspiel die Mannschaft aus Skjervøy empfing, die in einem der nördlichsten Stadien der Welt in 1.767 Kilometern Entfernung kickt. Das ist weiter entfernt als zu meiner Haustür im Südwesten Deutschlands. Die Reisestrapazen machten sich dann auch auf dem Rasen bemerkbar. Mit 10:2 wurden die Gäste völlig humorlos wieder auf die weite Reise nach Hause geschickt.

Für mich als neutralen Zuschauer war das natürlich ganz unterhaltsam. Generell machte der Nachmittag richtig Spaß, weil auch die Rahmenbedingungen perfekt waren. Bei strahlendem Sonnenschein konnte man entspannt auf die Halbinsel laufen, auf der das Stadion neben dem Hafen gelegen ist. Diesmal gab es eine echte Eintrittskarte und die Möglichkeit zur Barzahlung an der Stadionkasse und am Imbiss - genial! Das kulinarische Angebot war allerdings auch hier norwegentypisch nicht der Brüller.

Das Stadion besteht im Wesentlichen aus drei Tribünen, von denen zwei hinter einem der beiden Tore stehen. Eine dieser beiden Tribünen ist aus Holz und damit magischer Anziehungspunkt für deutsche Groundhopper, von denen es mehr ins Stadion geschafft hatten als Gästefans - der Weg ist eben auch kürzer. Auf der Heimseite mangelte es an einer aktiven Fanszene, aber die kann man in der vierten norwegischen Liga auch nicht erwarten. Heute hätte ich allerdings Lust auf eine La-Ola-Welle gehabt.

Bærum orientiert sich mit dem Sieg nach oben in der Tabelle, während den Gästen noch Abstiegskampf blüht. Es kann einem ein bisschen Angst und Bange werden, wenn man bedenkt, dass die anderen drei Auswärtsspiele im Großraum Oslo alle noch an den letzten Spieltagen des im Kalenderjahr ausgetragenen Wettbewerbs warten. Bis dahin erstmal gute Erholung! Für mich blieb keine Zeit zur Erholung, man ist ja schließlich nicht nur zum Vergnügen unterwegs. Abends wartete das nächste Spiel.

 

Donnerstag, 29. Mai 2025

29.05.2025
2. Liga (N)
Lyn Oslo - Mjöndalen IF 1:3
Bislett stadion (Oslo)
1.728 Zuschauer (130 Gäste)

Am Abend ging es zu Fuß ins Bislett stadion. Kein anderes Stadion in Oslo liegt so zentrumsnah wie diese traditionsreiche Spielstätte, die allerdings im Jahr 2005 neu gebaut wurde. Hier im Herzen der Hauptstadt fanden schon wichtige Länderspiele und sogar Eisschnelllauf-Wettbewerbe bei Olympischen Spielen statt. In der Gegenwart wird das Pokalfinale der Frauen jährlich hier ausgetragen - und die Zweitliga-Heimspiele von Lyn Oslo. Heute empfing man hier Mjöndalen IF zum Abstiegskracher.

Eine Tageskasse gab es nicht, aber online konnte man noch spontan zuschlagen. Im Stadionumlauf traf man direkt auf die Verpflegungsstände, wo man einen schwachen Hot Dog für wahrscheinlich viel zu viel Geld bekam. Aber keine Ahnung, was er genau gekostet hat, schon war die Kreditkarte vor das Kartengerät gehalten und der nächste war dran. Vor und nach mir wurden becherweise Getränke in grüner Farbe geordert. So langsam hatte ich das Gefühl, in die Zukunft gereist zu sein.

Die moderne Welt macht mir schon zu schaffen, umso glücklicher war ich dann, als ich den ersten Blick ins Stadioninnere werfen konnte: Eine schöne Schüssel mit Laufbahn! Das Stadion ist schon eine Wucht mit seinen weitläufigen Kurven, den vielen Flutlichtmasten und dem Blick in die angrenzenden Wohnblöcke. Leider konnte man sich nur auf der Haupttribüne bewegen, aber die war groß genug, um sich ganz entspannt an die Seite zu setzen und das Treiben zu beobachten.

Auf beiden Seiten waren kleine Fanszenen aktiv, immerhin könnte man bei 54 Kilometern Entfernung fast schon von einem Derby sprechen. Der Drittletzte der Tabelle empfing den Letzten, der sich vor fünf Tagen eine 0:6-Packung gegen Lilleström abgeholt hatte. Doch davon schien sich Mjöndalen gut erholt zu haben: Nach elf Minuten stand es 0:2 für die Gäste, zur Pause sogar 0:3. Am neunten Spieltag war der erste Saisonsieg ganz nah. Aber die Heimkurve feuerte ihr Team weiterhin an.

Das brachte im zweiten Durchgang aber nur noch den Ehrentreffer, sodass die Partie mit 1:3 endete. Mjöndalen schob sich damit direkt auf den Relegationsrang vor. Lyn hingegen muss so langsam wieder in die Spur finden - ihr einziger Saisonsieg war direkt am ersten Spieltag. Denn dieses schöne Stadion sollte auch in der Zukunft zumindest in der 2. Liga vertreten sein.
 

29.05.2025
NM Cupen U19 (N)
Asker Fotball U19 - Valerenga Fotball U19 2:1 n.V.
Føyka Kunstgress (Asker)
120 Zuschauer

Seit dem Regionalliga-Aufstieg 2006 gehört Himmelfahrt zu den Lieblingsfeiertagen eines jeden Kasselers. Auch in diesem Jahr fand der Feiertag wie gewohnt an einem Donnerstag statt. Es ist aber immer wieder spannend zu sehen, wie in anderen Ländern mit den jeweiligen Feiertagen umgegangen wird. In diesem Jahr war ich in Oslo und muss sagen: Die Norweger machen es genau richtig: Ein paar wichtige Läden hatten auf und ansonsten war Spiel und Spaß angesagt mit einem guten Fußballprogramm.

Das U19-Spiel von Asker war allerdings ein echter Insider-Tipp. Ich trödelte noch verschlafen durch meine Unterkunft und freute mich darüber, dass es ein attraktives Abendspiel geben würde, da erreichte mich die Nachricht, dass am Mittag im Juniorenpokal gegen den Ball getreten würde. Bis zum Anpfiff waren es noch exakt 79 Minuten und 24 Kilometer. Gar kein Problem, der Nahverkehr rund um die norwegische Hauptstadt lief tadellos. Pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichte ich das Stadion.

Ich lief hier in meiner Winterjacke wie Falschgeld rum, ehe ich mich auf der Tribüne erstmal sortieren konnte. Das war hier ein richtiger Sommertag und um mich herum waren alle längst in Ferienstimmung. Sonnenbrille auf und Entspannen war angesagt. Die einzige Tribüne war nur in der Mitte ein wenig überdacht, aber genau dorthin zog es die meisten Zuschauer. Auf dem Kunstrasen duellierten sich die U19 von Asker und von Valerenga um den Einzug in die 3. Runde des NM Cupen.

Noch jünger als die Spieler waren die aktiven Fans auf der Heimseite. Trommeln, Megaphon, Zaunfahne, Doppelhalter, Schwenkfahne - in dieser Konsequenz schon irgendwie beeindruckend, was die neun Jungs da alles aufgefahren hatten. Die Unterstützung war zwar nicht durchgehend, aber in der entscheidenden Phase schafften sie es, auch das übrige Publikum zum Mitsingen zu animieren. Denn nach 90 Minuten stand es 1:1 und alle schauten nun wie gebannt auf die Verlängerung, die hier nur aus 2x 5 Minuten bestand.

Das reichte aber Asker vollkommen aus, die den vielumjubelten 2:1-Siegtreffer erzielten. Nach dem Schlusspfiff gab es dann einen Platzsturm und viele glückliche Gesichter auf dem Rasen und auf der Tribüne. Das war ein schöner Zeitvertreib am Nachmittag und nach längerer Zeit auch mal wieder ein neuer Länderpunkt für mich. Guter Start in Norwegen, so kann es gerne weitergehen.

 

Samstag, 24. Mai 2025

24.05.2025
Hessenpokal - Finale (D)
Hessen Kassel - SV Wehen-Wiesbaden 5:6 i.E.
Stadion am Bornheimer Hang (Frankfurt)
5.390 Zuschauer


Man, war ich nervös. Zum ersten Mal seit 2018 stand Hessen Kassel wieder im Endspiel um den Hessenpokal. Gewonnen haben wir den Pott zuletzt vor zehn Jahren. Und nun bot sich endlich mal wieder die Chance, in den DFB-Pokal einzuziehen. In diesem Spiel geht es für Amateurvereine um so viel, weil neben der sportlichen Bedeutung auch finanziell entschieden wird, in welche Richtung es in der nächsten Saison geht. Ich knabberte zwei Stunden erfolglos an meinem Frühstück herum und dann fuhr ich einfach los.

Gespielt wurde am Bornheimer Hang in Frankfurt. Diese Austragungsstätte bietet sich grundsätzlich an, wenn man es doch bloß ein bisschen besser organisieren würde. Es tut mir leid, mich schon wieder über die Verpflegungssituation aufregen zu müssen, aber das was hier heute passierte, toppte nochmal alles, was in den vergangenen Wochen schief lief: Zwei kleine Buden und an genau einer von beiden hätte man Wertmarken gebraucht. Wer keine hatte, stand 40 Minuten (!) umsonst an.

Nachdem ich meinen Hass auf das System kundgetan hatte, wurde mir mit Rausschmiss gedroht und da das heute keine Option war, verkrümelte ich mich in den Block. Ich musste wirklich langsam mal was essen, aber hier ging es jetzt rund. Gegenüber im Gästeblock standen die Wehener ganz in Rot, wir Kasseler in Weiß hatten die Heimkurve bekommen. Auf der linken Seite wurde der Pokal in die Höhe gereckt und von rechts wurde Herkules in den Block getragen, bis er seine Hand am Pokal hatte.

"Wie einst Herkules" - "Auf in den Olymp" stand nacheinander vor dem Block geschrieben. Und tatsächlich holte unser Team alles aus sich raus. Sie hatten sich im Lauf der Rückrunde von Spiel zu Spiel gesteigert und erreichten heute den Höhepunkt. Von einem Klassenunterschied war nichts zu erkennen, über die vollen 90 Minuten war der KSV sogar besser. Dennoch traf Wehen kurz vor der Pause ins Tor, doch im direkten Gegenzug fiel der Ausgleich. In der zweiten Halbzeit trafen wir direkt zwei Mal die Latte.

Die Spannung war kaum noch auszuhalten. Ich hatte es zwischenzeitlich nochmal an der anderen Imbissbude probiert, aber auch da war ich gescheitert. Irgendwie versuchte ich, dieses Spiel zu überstehen. Ich wechselte meinen Standort, aber es wurde nicht besser. Der KSV vergab Chance um Chance und ich war das reinste Nervenbündel. Die Stimmung war großartig, wahrscheinlich einer unserer besten Auswärts-Auftritte jemals, aber auch die Wehener ließen keinen Zweifel daran, dass dieses Spiel hier ein echtes Highlight für sie war. Dass wir aber doppelt so viele Fans dabei hatten bei viermal so weiter Entfernung, zeigte mal wieder das Potential vom Fußball-Standort Kassel.

Nach 90 Minuten stand es 1:1. In Hessen bedeutet das sofort Elfmeterschießen. Kurioserweise hatte ich den KSV bisher vier Mal in Elfmeterschießen erlebt - immer auswärts und immer siegreich. Heute brach die Serie. Niklas Stark verschoss als einziger seinen Elfmeter. Das war`s. Aus der Traum. Es war schwer zu ertragen, die Wehener auf dem Platz rumspringen zu sehen, aber wir wollten unsere Mannschaft noch gebührend verabschieden. Kurz danach begann es zu regnen. Vor dem Stadion hatte ein Bierstand geöffnet. Hier konnte man einfach was kaufen, ohne Wertmarken und ohne Drama. Unter dem Schutz der Markise verfolgte ich, wie die Kasseler zum Sonderzug und zum Parkplatz trotteten. Als einer der letzten verließ ich den Ort des Geschehens. Nächste Saison greifen wir wieder an, ganz sicher.