17.01.2026
1. Liga (B)
Royale Union Saint-Gilloise - KV Mechelen 1:0
Stade Joseph Marien (Forest)
5.965 Zuschauer (600 Gäste)
Nach dem Nachmittagsspiel in Waregem musste es schnell gehen. Ab in den Regionalzug nach Gent und dort umsteigen nach Brüssel. Diese Bahn war überfüllt. Menschen stapelten Fahrräder, Musikinstrumente und Koffer in den Gängen und ein paar Minuten verloren wir in all dem Trubel. In Bruxelles Midi sind es zu Fuß 34 Minuten zum Stadion von Union Saint Gilloise. Gute 20 Minuten vor Anpfiff verließ ich den Bahnhof, machte noch ein paar Meter und rief dann ein Taxi. Der Fahrer brachte mich bis zur Rue du Charme - dann war die Straße gesperrt und ich stieg aus.
Das Stade Joseph Marien liegt am Rande eines Parks. Aus westlicher Richtung erreicht man das Stadion durch die Straßen der Gemeinde Forest. Dort war das komplette Wohnviertel für das Spiel gesperrt. Was dort so kurz vor Anpfiff los war, hatte viel von einem Straßenfest. Überall Kneipen, Buden, Warteschlangen. Mitten zwischen den Häusern plötzlich der erste Eingang zum Stadion. Das war zum Glück nicht meiner, denn der war völlig überlaufen. Zur Haupttribüne ging es ohne große Kontrolle. Hier hatte jeder schon seinen Platz gefunden.
Nur mit Mühe gelangte ich zu meinem Platz. Es gibt weder Sitzschalen, noch Beinfreiheit. Man sitzt einfach dicht gedrängt auf einem Holzbalken und hofft, nicht permanent die Füße des Hintermanns im Rücken zu spüren. So stolperte ich irgendwie durch die Reihen und als ich mir gerade 30 Zentimeter Balken gesichert hatte, ertönte der Anpfiff. Und die Leute neben mir waren sofort voll drin. Sie sprangen auf, hüpften und sangen. Der Stimmungskern war gegenüber auf der Gegengerade, aber die Leidenschaft war überall zu spüren.
Die Flutlicht-Atmosphäre in diesem engen Stadion überzeugte mich restlos. Doch natürlich wurde auch an diesem Standort schon über einen Neubau nachgedacht, denn international darf Saint-Gilloise in diesem Stadion leider nicht spielen. Der Verein hat eine große Tradition, war bis 1935 schon elf Mal Meister, verschwand dann allerdings lange in der Versenkung und wurde 2018 von Milliardär Tony Bloom mit viel Geld wieder nach oben geholt. Übertreib es nicht, Tony. In einer neuen Arena würde sicherlich sehr viel von dem verloren gehen, was mich heute so überzeugte.
Die Gäste aus Mechelen leisteten auch ihren Beitrag zu einem gelungenen Samstagabend. Der Gästeblock war gut gefüllt und auf dem Rasen spielte man ordentlich mit. Am Ende setzte sich der Tabellenführer aber mit 1:0 durch und erhöhte den Vorsprung durch die Niederlage von Brügge sogar auf drei Punkte. Nach dem Spiel lief ich durch das Wohnviertel wieder zurück in Richtung Bahnhof, gönnte mir noch einen Imbiss und wärmte mich nach einem intensiven Fußballtag erstmal im Hotel wieder auf.






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