Donnerstag, 18. Dezember 2025

18.12.2025
Europa Conference League
Mainz 05 - Samsunspor 2:0
Arena (Mainz)
33.000 Zuschauer (7.000 Gäste)

Am Mittag kam ich aus Luzern zurück nach Mainz und plante schonmal für die Weihnachtstage. Aber ein Fußballspiel stand ja vorher noch an: Das letzte Vorrunden-Spiel der Conference League! Mainz 05 hatte ebenso wie der heutige Gegner Samsunspor gut gepunktet und stand schon als Teilnehmer der PlayOff-Spiele fest. Wer aber heute das Spiel gewann, der konnte diese Zwischenrunde sogar überspringen und direkt ins Achtelfinale einziehen. Angesichts der Situation im Abstiegskampf der Bundesliga ganz klar ein lohnenswertes Ziel für Mainz.

Heute war die Arena zum ersten Mal in dieser Conference League-Saison ausverkauft. Das lag natürlich auch an den mindestens 7.000 türkischen Fans, die Samsunspor die Daumen drückten. Aber auch so schafften es die Mainzer mit weitem Abstand vor Straßburg und Posen, den höchsten Zuschauerschnitt in diesem Wettbewerb zu erreichen. Und heute war es besonders stimmungsvoll. Die Mainzer Kurve leitete die Partie mit einer sehenswerten Choreographie ein, während die Gäste vor allem durch brachiale Lautstärke überzeugten.

Als allerdings Silvan Widmer und Nadiem Amiri die Tore zum 2:0 für die Gastgeber gelangen und es nicht so aussah, als ob Samsunspor mit Trainer Thomas Reis noch irgendetwas entgegenzusetzen hatte, wurde es schon sehr leise im Gästeblock. Es flog zwar noch der ein oder andere Knallkörper aufs Feld, was zu Spielunterbrechungen führte, aber im Wesentlichen hatte Mainz in der 2. Halbzeit auf Rasen und Rängen alles im Griff. Es blieb dann auch beim verdienten 2:0. Mainz 05 steht im Achtelfinale und Samsunspor dreht noch eine Ehrenrunde.

Im Gegensatz zu früheren Ausflügen von Mainz 05 im Europapokal hat man sich diesmal bisher wirklich gut präsentiert und hatte auch Losglück mit interessanten Gegnern. Man durfte nach Zypern, Rumänien und Polen reisen und hatte Mostar, Florenz und Samsun zu Gast. Ich hatte bei den Heimspielen meinen Stammplatz und könnte mich fast daran gewöhnen, Europapokal-Abende am Europakreisel zu verbringen. Von mir aus kann Mainz 05 gerne den Wettbewerb gewinnen und sich somit für die nächste Saison wieder international qualifizieren.

Mehr Mainz 05 muss dann aber auch nicht sein. Das karnevalistische Publikum dieses Streber-Vereins treibt einem schon manchmal die Fragezeichen ins Gesicht, wenn man mal wieder jemanden sieht, der voller Überzeugung seinen Schal mit der Aufschrift "Mewa-Arena" zu "You`ll never walk alone" in die Höhe reckt. Au weia, ich muss wieder häufiger zum Amateurfußball.

Mittwoch, 17. Dezember 2025

17.12.2025
1. Liga (CH)
FC Luzern - FC Basel 1:2
Arena (Luzern)
11.703 Zuschauer (2.500 Gäste)

Am Morgen erwachte ich in St. Gallen und deckte mich beim Brezelkönig mit Proviant ein, denn eine Fahrt mit der Eisenbahn stand auf dem Programm. Der Nebel lichtete sich so langsam und zum Vorschein kamen schneebedeckte Berge, die von der Sonne beschienen wurden. Vorbei an zahlreichen Seen folgte eine phantastische Bahnfahrt durch die Alpen. In Luzern angekommen fand die Schönheit ihre Fortsetzung. Zum Glück war der Anpfiff heute wieder erst um 20:30 Uhr, sodass ich noch ausreichend Zeit für den Stadtspaziergang hatte.

Heute war der große FC Basel in der Stadt. Davon bekam man im Stadtbild allerdings recht wenig mit. Irgendwie verrückt, wie viel eine solche Partie mit einem Außenstehenden wie mir macht, aber vor Ort lockt sie dann nicht einmal 10.000 Heimfans an. Diejenigen, die da waren, zündeten aber ein ordentliches Feuerwerk ab. Ich war von Luzern letztes Jahr in Winterthur sehr begeistert gewesen und das konnte die Fanszene auch dieses Mal bestätigen. Basel zog auch sein übliches Programm durch und trug seinen Teil zur stimmungsvollen Atmosphäre bei.

Das Fußballspiel war sehr ausgeglichen, hätte aber früh zugunsten der Gäste kippen können. In der 16. Minute gab es Elfmeter für Basel. Xherdan Shaqiri pfefferte diesen aber so überzeugt über die Latte, sodass er mich ohne das Fangnetz vielleicht getroffen hätte. Sodann ging es mit 0:0 in die Pause. Danach trafen beide Teams jeweils einmal und es lief auf ein 1:1 hinaus. Doch in der Schlussphase gab es schon wieder Elfmeter für Basel. Diesmal trat Koba Koindredi an und verwandelte zum 2:1-Siegtreffer. Basel hält damit den Anschluss an die Spitze.

Was mir in der Schlussphase fehlte, war die komplette Eskalation der Gästekurve. Ich weiß nicht, ob der Auftritt so viel anders gewesen wäre, wenn am Ende Luzern mit 2:1 gewonnen hätte. Das sah zwar alles super aus, aber so ein entscheidendes Tor kurz vor Schluss muss doch noch mal etwas machen mit einer Kurve. Ein wenig mehr Spielbezug ist dann doch mehr meine Welt. Für Luzern war es derweil die vierte Niederlage in Folge und die Wahrscheinlichkeit wird immer größer, dass es im Frühjahr für den FCL in die Abstiegsrunde geht.

Das Stadion ist zwar leider ein Neubau, aber immerhin von der Innenstadt nicht allzu weit entfernt. Daher ging es nach dem Spiel für mich auch zu Fuß zurück in die Unterkunft. Am nächsten Morgen führte dann der Weg über Basel und Mannheim zurück nach Hause. Die Schweiz hatte mich einmal mehr überzeugt und ich freue mich, dass es dort noch immer einiges zu entdecken gibt.

Dienstag, 16. Dezember 2025

16.12.2025
1. Liga (CH)
FC St. Gallen - FC Sion 3:1
Arena (St. Gallen)
15.313 Zuschauer (200 Gäste)

Das Jahresende rückte näher und es bot sich an, noch eine letzte Tour zu unternehmen. Ich hatte Urlaub und die Schweiz beschenkte mich mit einer englischen Woche. Also ging es wie schon im Vorjahr in unser sympathisches Nachbarland. In aller Ruhe fuhr ich mit dem Deutschlandticket nach Konstanz. Dort bummelte ich noch eine Stunde über den Weihnachtsmarkt direkt am Bodensee, ehe mich ein Zug über die Grenze nach St. Gallen fuhr. Dort wurde ich von einem kleinen Schneeberg begrüßt. Es war Winter und jetzt fühlte es sich auch so an!

Um mich noch ein wenig in meiner Unterkunft warmzuhalten, fuhr ich auf den letzten Drücker los, was absolut kein Problem war. Der Shuttlebus fuhr zügig und es gab extrem viele Stadioneingänge und abgesehen vom Ticket keine weiteren Kontrollen. Entspannt suchte ich mir meinen Platz in der Arena, die 2008 eröffnet wurde, aber nicht als Spielort für die EM in jenem Jahr genutzt wurde. Und noch ein bisschen mehr Wikipedia-Wissen: Es ist mit 652 Metern über dem Meer der höchstgelegene Spielort der ersten schweizer Liga und war dort das erste Stadion mit Sponsorennamen.

Was aktuell besonders interessant ist, ist die sportliche Situation: Der FC St. Gallen ist Tabellenzweiter und konnte an diesem Abend Tabellenführer werden, sofern der FC Thun im Parallelspiel in Winterthur verlieren sollte. Das erschien zwar unrealistisch, aber in dieser Liga ist alles möglich. Wer hätte mit diesem Tabellenbild vor der Saison gerechnet? Spitzenreiter Thun ist Aufsteiger und auch St. Gallen eher kein Dauergast an der Tabellenspitze. Der heutige Gegner vom FC Sion mischt als Fünfter auch ganz gut mit und erzielte nach 21 Minuten per Distanzschuss das 0:1.

Doch St. Gallen nahm das Heft in die Hand und drehte beherzt die Partie. Im zweiten Durchgang fielen drei Tore zum 3:1-Erfolg. Doch auch Thun siegte parallel und behauptete die Tabellenführung. Auf den Rängen war das auf beiden Seiten solide, ohne dass ich das Gefühl hatte, dass hier Außergewöhnliches passierte. Die Mitmachquote auf den neutralen Tribünen beim Wechselgesang oder dem Schal-Schwenken war aber ganz gut. Aber es kann sportlich noch so gut laufen - die Gefahr, dass hier mal ein Stadion ausverkauft ist, besteht in der Schweiz kaum.

Nach dem Spiel ging es genauso unkompliziert mit dem Bus wieder zurück in die Innenstadt und mit einer kleinen Mahlzeit im Gepäck ins Hotel. Die Betonung liegt auf "klein" angesichts der Preise, wobei man in der Schweiz wirklich vor allem beim Essen tief in die Tasche greifen muss. Fußball, Übernachtung und Transport lagen nicht allzu weit vom europäischen Durchschnitt entfernt.

Sonntag, 7. Dezember 2025

07.12.2025
8. Liga (D)
FV Delkenheim - SV Frauenstein 1:0
Sportgelände am Wickerbach (Wiesbaden)
60 Zuschauer (10 Gäste)

Vor einigen Jahren war ich mal drauf und dran, die Kreisoberliga Wiesbaden komplett besucht zu haben - nur ein Stadion fehlte. Dann habe ich das Projekt ein wenig schleifen gelassen und schon sind es wieder drei Sportplätze, die fehlen. Um an der Stelle mal wieder etwas weiterzuarbeiten, fuhr ich an diesem grauen Adventssonntag nach Delkenheim. Mit der Bahn ging es zuerst nach Hochheim und von dort mit dem Bus in den Wiesbadener Ortsbezirk Delkenheim, der 1977 eingemeindet wurde, aber schon ordentlich weit draußen liegt.

Ich war so früh vor Ort, dass noch das Vorspiel von Delkenheim II gegen Munzur Wiesbaden lief. Was da in den letzten zehn Minuten passierte, war von den folgenden 90 Minuten im nächsten Spiel nicht zu toppen. Das Spiel ging 6:4 nach 1:3-Halbzeitstand aus, wobei ich noch vier Tore, herumfliegende Schuhe und dutzende aufgeregte Zuschauer und Betreuer auf dem Spielfeld miterlebte. Wahnsinn, besser konnte es kaum noch werden. Tatsächlich war das Hauptspiel dann deutlich ruhiger - und dennoch gab es drei rote Karten, was aber am kleinlichen Schiedsrichter lag.

Zwischen Delkenheim und Frauenstein fiel dafür nur ein Tor. Die Gastgeber erzielten den goldenen Treffer nach einer guten halben Stunde und mischen noch recht aussichtsreich im Aufstiegsrennen mit. Zur Sportanlage muss man nicht viele Worte verlieren - echter Kreisoberliga-Standard mit Kunstrasen, drei Stufen und den obligatorischen 60 Besuchern. Tatsächlich gibt es in der ganzen Liga nur einen einzigen Naturrasen. Hoffentlich muss ich mich mal nirgendwo rechtfertigen, warum ich ausgerechnet diese Liga komplettieren will.

Zum Abpfiff fing es dann noch an zu regnen und ich freute mich über den pünktlichen Bus zurück nach Hochheim, von wo aus es dann nach Hause ging.